Ausgabe 
5.9.1769
 
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Unhöflichkeit auslegen, wenn ich behaupte, daß die meisten iu diese Klaffe e Nehören ö Haben einen gedoppelten Abweg zu 'vermeiden, wenn sie gefallen * wollen, und welche sollte dieses nicht wollen ? Zuerst muffen sie sich hüten 4or allen Moden, welche sich nicht zu dem Gesicht und der übrigen Ge- M stakt des Körpers schicken. Das Ungereimte wird alsdenn voppejt sicht« dar, weil die Person nicht schön genug ist, daß sie alles abgeschmackte um sich herum verdunkeln könnte. Hernach muß eine gewisse'Mäßigkeit beo­bachtet werden, wofern man die Blicke andrer Leute nicht mehr auf die Kleidung und den Staat, als auf sich selbst ziehen will. Je mehr sicherns solche Person geputzt hat, je weniger ist sie sichtbar: man bewundert ihren Stoff und ihr Geschmeide, und der Werth ihrer Person bleibt unbemerkt. Wer merklich häßlich ist, (.wiewohl ich keine kenne, die sich zu dieser Claffe rckhnen möchte) thut am besten, sich gan'z ungekünstelt, ohne Kost­barkeiten und Pracht zu putzen. Eine solche Person verliehrt allemal,wenn sie in einem glänzenden Anzug erscheint; die Kleidung sticht mit dem Ge­sicht oder der Gestalt allzusehr ab, als daßman den großen Unterschied von beyden Mt'zum Nachtheil der Person bemerken sollte. Eine gefällige und sittsame Mine, mit der gehörigen Artigkeit verbunden, ersetzt in einem mittelmäßiges Putz dasjenige, was die Narur von feiten der körperlichen Schönheit hät ermangeln lassen.

Aber warum werdest diese einfache und in der Natur der Sache ge­gründete Regeln so wenig beobachtet ? Warum läßt sich das Fraucnzim« mer von dem Strohm der Gewohnheit fortreißen ? Warum sind die mei­sten beständig bereit,, sich häßlicher zu machen , als sie in der Thac sind, da sie-doch altelso gern schön scheinen wollen? Warum wollen sie lieber schlechte Copien einer Comödiantin adgeben, die oft eben so wohl, als die «hmalige Mademoiselle Fonkange, oder die sinnreiche Erfinderm der Reif- röcke ihre gute Ursachen zu einer gewissen Mode hat, als Origmalien sinn, die mit einerschöpsirischen Kraft Moden hervorbrmgen, die ihrem Gesicht und Körper gemäß sind?

Das alte Griechische und Römische Frauenzimmer, das sich gewiß eben so gern putzte, als das heutige und in der Galanterie dem Französischen keinesweqes nachzustehen Ursache hatte, hegte über den Putz insonderheit des Kopfes ganz andre und richtigere Gedanken. Die Überbleibsel die man von dieser wichtigen Materie, theils uoch in den alten Schuften, theils auf Müntzen und in Bildsäulen-, oder andern Denkmälern findet, beweisen zur Genüge, W in diesem Stück keine allgemeine AWe geherrscht * habet