318 Gr'essische wkchentLrch-Aememttötzige Airzeigen
dieses lästige Joch abzuMtteln. Selbst in England , wo der Geist der ^revdeit so allgemein i(r, und die Damen von der Freyheit der Nation, und dm Vortheilen derselben in dem Staat, mehr zu reden wissen , als bey unS von dem Wetter, herrscht die Mode eben so uneingeschräncktund eigenmächtig, als der türkische Kaiser über seine kriechende Sclaven.
. Cs Zieht Kleidungsstücke, welche allgemein getragen werden können, Ahne daß sie eine besondre Beziehung auf die Gestalt einer Person haben. Ein Rock mit einer Falbula, steht, wenigstens Meinen Einsichten nach einer Person so gut, wie der andern. Insofern kann eine gewisse Einförmigkeit angenommen werden; wiewohl es deswegen nicht gerad nothig ist, daß man die Frisuren auf Röcken, Andrienen und Mänteln eben alle Mo- uathe verändern Muß. Oeco.nomisch von der Sache zu reden, behielte man am besten dasjenige bey, was man einmal würcklich besitzt. Doch meine dermalige Absicht ist nicht hiervon weiter zu handeln. Was den Putz des Kopfs, des Halses und der Brust betriff, da zeigt sich ein sehr merklicher Unterschied, und die Erfahrung lehrt hier effenbahr, daß etwas eine Person schr gut kleiden könne, dadurch eine andre gantz und gar verunstaltet wird. Florinde ist nicht nur wohl gewachsen, sondern hat auch em voll- korrmes Gesicht und eine lebhafte Farbe: und eben deswegen laßt ihr die jetzige hohe Frisur sehr gut. Aber ihre Nachbarin Doris, mit ihrem zwar artigen, aber doch kleinen Gesichtgen, wird unfehlbar dadurch lächerlich. Warum wählt sie nicht einen Kopsputz der sich vor ihre kleine Person schickte Die hohe Frisur ist bey ihr eben so ungereimt, als wenn man den großen Christophe! auf ein kleines Garten Haußgen zum Schmuck stellen, oder einen biß zum Erstaunen langen Menschen, ein kleines Kinder Hütgen, wie es bey uns Mannspersonen würcklich auch Mode ist , auf den Kopf setzen wollte. Lesbia tragt ein Fadenbreites Halsband, und dennoch ist ihr Halß lang mager, und gelb. Warum bedient sie sich nicht lieber eines breiten, und wenn ich so reden mag, eines mit Bändern aufgeschwellten Halßbandes? Warum überläßt sie jene Tracht nicht ihrer Freundin Phylis , vor die sie gemacht zu ftyn scheint? Man kann nichts schöners sehen,! als die voll und scheeweiße Brust der Cloris: Sie ist ein seltnes Meisterstück der gütigen Natur. Ich! kann trotz der Moral, die sich immer in mir empört, so oft ich sie ansehe eine so reizende Aussicht gar wohl leiden, so sehr auch ihre Freundinnen, die nicht so viel schönes aufzuweisen haben, darüber aufgebracht werden. Wenn ich noch etwas daran guszusetzerr habe, so ist es dieses, daß sie uns mehr von ihrer Maare se-


