Ausgabe 
4.4.1769
 
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lebt ohne Geschäfte, weil er der Arbeit ungewohnt ist. Er wird seinem Weibe ein unnüzzer Mann, den Kindern ein sorgloser Vater, seiner ganzen Familie ein unthätiges und unfähiges Geschöpf, der weder zu befehlen, noch zu gehorchen versteht. Endlich sammlet sich alles aus dieser unwürk- samen Lebensart entstehende Ungemach, und gehet in seine Quellen zurük. Ekel , und Verdruß begleiten alsdann das unglükliche Paar. Soll em Mann, dessen Verdienste Gesundheit, ein munteres Gesichte, Reichthum und vornehmer Stand sind , dessen Verstand unbearbeitet, dessen Ge- schmak ungebildet, Dessen Seele an den Kentnissen der vornehmsten War- Heiken der Religion und der Sittenlehre arm und dürftig, und der in Wis­senschaften unerfahren ist, soll, sage ich, so ein Mann einer vernünftigen Gemahlin wohl immer angenehm, im dreisstgsten Jahre des Ehestandes noch so reizend und angenehm seyn können , als am Hochzeittage ? Da seine Worte und Reden nichts als grobe Unwissenheit und Eigensinn, und sei­ne Arbeit, sein ganzes Thun und Lassen nichts als Müßiggang , als ab­scheuliche Trägheit ist? Wird diese unnüzze Last der Erden seine Kinder wohl in der Tugend, und Weisheit, seinen Pflichten und ihrem Berufe gemas erziehen? Er, der selbst keine Erziehung gehabt hat, und mehr mit Kunden, als mit Menschen umgegangen , wird er sie zu vernünftigen Bürgern, nüzlichen Mannern bilden , da er die Pflichten eben so wenig kennt, als die Verbindlichkeiten des Bürgers?

Ein Schulsuchs der eigensinnig Nachte bey Büchern zubringet, und mißvergnügt mit dem andern Geschlechte spricht, weil er sich vollkommen zu seyn dünket; der seine Frau nicht weiter, als der Wohlstand und ande­rer Menschen Gegenwart erfordern, freundlich ansiehet, will doch haben, daß sie ihn lieben soll, da er sie mit kalten Blute betrachtet, und er ist so grau­sam, ich will nicht sagen, unvernünftig, zu verlangen, daß sie ganz undgak für ihn leben soll, da er nur selten, unu nur Zufallsweise für sie lebet.

Ein Weib in weiblichen Künsten unbekannt, die keine Verdienste hat, als sich vorzüglich mit Geschmak und Beyfall zu puzzen, die ihre Schönheit, als ihr kostbarstes Gut, als ein Unschäzbares Kleinod ansiehet, und auf die Erhaltung derselbigen Zeit, Reichthum und Gesundheit ver­wendet, die eine Sclavinn ihrer Eitelkeit und aller möglichen Leidenschaf­ten ist, die noch rite gedacht hat, warum sie in der Welt ist, diese, sage ich, solle einen vernünftigen Mann glüklich machen, ihren Mann befrie­digen , ihm täglich reizender seyn, und eine tugendhafte Kinderzucht vor- mhnien können? Wer so ein Frauenzimmer kennet, und dennoch wählet, rO L ist