Ausgabe 
4.4.1769
 
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i*i Gr'efflsche wochetttllch-tzemefnttützlge Anzeigen

aus der Unvolkommenhrit und Thorheit der Menschen selbst entspringen, welche ohne Wahl, ohne Vorsichtigkeit, ohne Künntniß der Gemühter, in der Trunkenheit ihrer Leidenschaften blind ein Band geknüpft haben, das sie nicht zerreissen können. Und das ist eine wohlverdiente Strafe der Tho­ren, an der die Ehe ganz und gar kein Theil hat. Lieben, die Che schlies­sen, ohne Absicht wühlen, ohne Hochachtung und Kenntniß darzu schrei­ten, die Dauer nicht durch Sorgfalt unterstüzzen, und der Ehe den Vor­wurf des Ekels machen, heisset sich selbst, und seine Unbesonnenheit ankla­gen. Wir beklagen uns nicht selten über die Frauenzimmer, und die wiz- zigen Schriftsteller sind voll Satyren wider sie; allcin ich glaube, wenn das andre Geschlecht Bücher schreiben solce, daß es besser, von unsManS- personen schreiben würde. Wir dürfen aber nicht so eitel seyn , daß wir glauben, sie lassen uns dadurch Gerechtigkeit widerfahren: denn dieses wür­de nicht eine Würkung unserer Lebensart; sondern eine Würkung ihrer Bescheidenheit seyn, darinne sie unstreitig unS ManSpersonen übertref­fen.

Um den Ehestand hochzuschüzzen ist es genug, wenn wir sehen, wie zwey Personen mit Zärtlichkeit einander lieben, mit Gegenliebe belohnen, Glük und Unglük gemeinschaftlich tragen, und Kummer und Sorgen mit einander theilen. Dieses allein, da ey durch keinen Stand gewisser und besser erhalten werden kann, muß uns eme Achtung einprügen , und Persohnen, die diese Absicht vergessen,, entweihen die Ehe.

Da die Eke das schüzbarste/ genaueste und würdigste Band ist, so ist die geringste Verlegung desselben, die auserste Ungerechtigkeit. Ja, es ist wunderbar, daß sogar wilde Völker, die mit ihren Sitten am nächsten an die unvernünftigen Thiere granzen, das Band der Ehe für heilig ach­ten. Je mehr Glük und Unglük davon abhanget, desto fürsichtiger müs­sen wir in unserer Wahl seyn, und um so strafbarer handelt der, der sich ohne Absicht, ohne moralische Kenntniß des wichtigen Standes verbindet, oder durch Aeltern , denen es gut gethan zu seyn scheinet, zur Ehe zwin­gen last.

Ein Mann, in männlichen Künsten unerfahren, wird sein Ansehen Nicht, oder doch selten, und nicht lange bewahren; und wie kann ihn seine Gat­tin auf eine dauerhafte Arc ehren , wenn sie keine Verdienste, ja nicht ein­mal gesunde Vernunft an ihm entdekket, und wenn er ihr weder zu rahten noch zu helfen weis. Wie soll er das Hauswesen regieren , wenn er über sich selbst, über seine eigenen Leidenschaften nicht Herr ist? So ein Mann