Ausgabe 
27.9.1768
 
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vrrö Nachrichten. jtf

wollte dazu bewegen lassen, so fiel er ihr vor die Knie, und bat sie darum Endlich ließ sie sich dazu bringen, daß sie ihm Vas letzte Geld auch noch anvereraute, allein sie gab es ihm aus seine Verantwortung, wenn er et­wa durch den Verlust sie und die Kinder unglücklich machen sollte > Nein, schrie er, wie er das Geld hatte, nein glücklich, glücklich will ich sie machen. Dießmal bin ich von meinem Versuche so gut als versichert In einer Stunde sind wir wieder in den besten Umständen. Er gieng so­gleich hin, und machte seinen Versuch, von dem er sich so viel versprach, und eben itzt saht ihr ihn in dieser Beschäftigung, wie er vor Wem Oa* Mine saß. Allem auch dieser letzte so sehr gepriesene Versuch vekungtücktt; und das Geld, das ihm seine Frau so heilig anvertraut hakte, wär auch Vahin. In dieser Verzweiflung habt ihr ihn seinen -Ofen zerschmeissm, und dann in einer Art von Betäubung, die üble Folgen haben kann, dastehn sehen. Seine Frau kam bey diesem Lärmen in das Zimmer gelaufen , wo ihr Chymist laborirte, und konnte sich schon halb das Unglück vorstellen, VaS vorgegangen war. Sie sah'wirkllch daß ihre, Ahndung wahr gewesen, daß sie nun ganz und gar dutch ik>re Nachsicht und ihres Mannes Narr­heit in die verächtlichste Armuth gestürtzt wären - und gleich drauf fiel sie in eine Ohnmacht. Die armen verlassenen Kinder, welche nicht wissen, was vorgeht, umarmen ihre Mutter, erschrecken bey ihrem Geschrey, und weinen üb.r sie, sie werden aber noch weit mehr über den Vater weinen, wenn sie alter werden, wenn sie sehen in welchen traurigen Zustand sie der selbe gesetzt hat, wenn sie alle die Trübsalen nnd Bedürfnisse fühlen, wo­mit ihre Armuth wird begleitet seyn. Wie werden sie dann die jetzige Stunde verfluchen, die für ihr Glück so wichtig und so traurig war. - Nun habt ihr, setzte Asnrodi hinzu, eine hinlängliche Erläuterung von dem Schauspiele, das euch so sehr befremdet hat. Wie lächerlich ist em Mensch, wenn er einer Gewohnheit und Neigung so viel Raum giebt, daß er sie nicht mehr, wenn er will, ablegen kann. Aber wie abscheulich ist ein Vater, der einer solchen Lieblingsneigung das Glück seiner ganzen Familie aufopfert! Die Pflicht eines Varers, seinen Kindern ein für ihren Stand hinreiclMdes Vermögen zu hinterlassen, ist so ausnehmend gros und wichtig, daß sie wenigstens durch solche nichtswürdige Dinge nicht sollte ge­hindert werden - - - ; ,

Hier unterbrach ich den Hinkenden, weil sich m jenem Zimmer, das so schön geputzt ist, eine neue Figur zeigte, die durch ihre wunderbare Bewegungen gleichfalls unsre Aufmerksamkeit verdient. ES war ein junger

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