Ausgabe 
22.11.1768
 
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Z74 Greflrsche w-chmtlich -- gemeinttützrge'Attzeigefr des menschlichen Lebens allen andern vorziehen zu müssen glaubte. So oft ich auch schon vorher diese unaussprechlich schöne Betrachtungen gelesen hat- te; so hatten sie doch dießmal eine ganz besonbre Wirkung auf mein Her; und es fehlte nicht viel, so hätte ich, wie Erasmus beym Socrates, aus­gerufen: Heiliger Getteca / bitte für uns. Das aber that ich Loch: ich suchte vorne im Buche sein Bildniß auf, und küßte es, so wenig es auch an und vor sich zum Küssen reizt, beynahe mit eben dem Entzücken , womit ich sonst meine Frau allein zu küssen gewohnt bin. '

Ich weis nicht, ob seine Lehren auf mich allein einen so tiefen Ein­druck machen, oder ob sie es auch auf andere thun... Ich kann es mir bey­nahe nicht vorstellen, daß sie ein Mensch ohn< alle Rührung und ohne den festen Entschluß sich zu beffirn und die wenigen Tagen feines Lebens wok anzuwenden, sollte lesen können.: Mich wenigstens hat dieser grosse Philo­soph gegen, alleu Müssiggang so aufgebracht, daß ich nunmehrs eben so ängstlich bekümmert bin, wi^ichMn Miner, kurzen.Lebenszeit einen recht vernünftigen und nützlich erkMlwauch machen möge, als es mir ehedem sehr gleichgMMwar, wie ich MM Tage tzinbrachte. 'Ich kann Sie versi­chern, Meine Herrn, daß ich, seitdem ich mit diesem lehrreichen Schrift- fieller in eine fo genaue.Bekanmschaft gerathen bin, wenige Stunden iin*-? benutzt habe hinflieffen lassen^ Er,hat mich gelehrt, daß ich nur M Gebrauche mein< Aeie alWM'W feyn, sollte,.und däss,MckmMeHben lange genug sey, wM' nur güt eingerichtet' wüM. ' uäd seitdem ich dieses durch seinen Unterricht habe einsehen teryen , seitdem erfülle ich alle meine Pflichten mit Vergnügen, seitdem ist mein Leben eine beständige Ar­beit, seitdem wird mir W Stunde M Marterdie ich m einer unnü­tzen Gesellschaft zubrrngen muß. '

Wer kann eS einem aber yuch übel nehmen / wenn man aufs gei­zigste mit seinem Leben hauszuhalkiß lucht? Es warmem so viel von sei­ner Zeit gestohlen, daß es würcklich die größte Thorheit feyn würde , wenn man sich nichtÄü-Mühe von der Welt gäbe, sich wegen dieses Diebstahls schadlos zu halkeu.< vMeht. fast keine Stunde, wo man nicht bald durch diese, bakDdmWn^e DiW.abMkalrMwjrd^ Wen Geschäften . und Pflichten nachMbM... Ba!^ yWäW Mv'ein schlechterMüschund entzieht'Ms durch em unnützes Geschwätz Aett Theil des Tages.' Bald wird mam zu. einem tzaffmahle eingeläden und gezwungen, ein halbes du- tzend Stunden zu verfressen und zu versaufen. Bald zanks,riWi die.Frau difHhrm'vD undMcht einen dadurch 4» llllen Verrichtungen unfähig.

Bald