und Nachrichten»
Die Gelassenheit welche man wenigstens von allen denjenigen fordern kan, die so weit m den Jahren gekommen sind, daß sie ein öffentliche« Amt bekleiden können, bat noch verschredne andre Vortheite, die sie liebenswürdig machen. Man ist wenn man sie besitzt manches Verdrusses, worinnen eine unbesonnene Heftigkeit zu stürtzen pflegt, überboben. Man weis zu rechter Zeit nachzugeben, und sich Freunde zu erwerben und zu erhalten. Man ist in allen Gesellschaften angenehm, da im Gegenkheil je- dermann erschrickt, wenn ein unverträglicher und hitziger Mensch zur Thüre Hererntritt. Man ist fähig alle seine Worte auf eine Wagschale zu legen, und wenn man merckt, daß unsre Reden andern Leuten nicht mehr gefallen, so kan man sich leicht und ohne Schande zurückzrehen. Hat man sich eine gewisse Absicht zu erreichen vorgeletzt, so kommt man gemeiniglich durch Sanstmuth weit eher zu seinem Zweck als durch Ungestüm. Man karr durch dieses Mittel die Gesinnungen andrer Leute weit leichter erforschen, und die seinr'gen, welches oft sehr nöthig ist, viel besser verbergen. Ein heftiger Mensch ist sehr leicht auszuforschen: man darf ihn nur in einen kleinen Affect setzen, so kommt alles zum Vorschein, was er bisher in dem innersten seines Hertzens verborgen gehabt hat. Und weil seine Hitze ihm nicht Ueberlegung genug übrig läßt, seine Absichten einige Zeit zu verdecken, und durch Umwege, die hierbey oft die sichersten sind, zu erreichen, so merckt ein jeder so gleich was er haben will, und dieser ist eben dadurch um so mehr auf seiner Hut, daß er seines Hertzens Meynung um so viel tiefer verbirgt, und den andern mit einem blosen Schein hintergeht, welchen zu durchdringen jenem seine Geschwindigkeit, womit er zu urtheilen gewohnt ist, nicht erlaubt. Leute dieser Gattung glauben leicht, und werden eben so leicht betrogen. Aller Verstand und die besten Einsichten helfen nichts, wenn man nicht zu rechter Zeit an sich zu halten und sich zu mäßige« we,s. B.
l Einzelne Gedanken.
Unter die schönen Künste gehört unstreitig die Kunst zu frisiren, und Minderheit zu pudern, als ein wichtiges Capitel der ersteren. Obgleich weder Vatteux noch Home derselben gedenken, so kan ich doch meine Mey- rmng mit dem Zeugmß aller Frauenzimmer und aller galanter junger Herr« bestättigen. Wäre ich doch so glücklich, sagte jüngsthin Dorant zu mir, mich so pudern zu lassen, wie die vornehmen Herrn zu Paris gepudert wer-
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