Wicsstsche wöchentlich- MMWge KlWtzcn «nb Wachrichten
Dimstags den nun Märtz. 1768."
Mit Hochfürstl. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis,
Vdn der Gelassenheit.
AMedes Alter hat seine ihm eigne Fehler. Man pflegt dieselbige sehr gerne zu verzeihen, wenn sie sich nicht über die Gräntzen des Alters erstrecken. Man kan leiden, daß ein Greiß geschwätzig ist, die gegenwärtige Zeiten verachtet, und die vergangne erhebt. Ein Jüngling kan flüchtig und schnell seyn, zuweilen unbesonnen und unüberlegt reden, oder ohne hinlängliche Ursachen aufgebracht werden: man nimmt es ihm so sehr nicht übel, weil man weis, daß es die Jahre der Jugend so mit sich bringen. Will er aber alt scheinen, und eine besondre Ernsthaftigkeit und Schwermuth annehmen, so lacht man eben so sehr über ihn, als man sich übereinen alten abgelebten Mann ärgert, wenn er schön thun, und die Lebhaftigkeit der Jugend, die ihn doch nicht {mehr kleidet, nachahmen will. Eben so verächtlich wird ein Mann, der vermöge seiner Jahre ein gewisses gesetztes Wesen an sich haben soll, und doch bey der geringsten Gelegenheit itt ein solches Feuer zu gerathen pflegt, das ordentlicherweise nur der brausenden Jugend eigen ist.
Leuten, die in einer gewissen Verbindung mit der W^lt und im Zusammenhang mit vielen andern Menschen leben müssen, ist nichts so sehr zu M empfeh-


