Ausgabe 
19.4.1768
 
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iyä GLeMche rv§ch endlich- Feiminnötzige Anzeigen

wenigen jungen und kleinen Würzelchen im Stande, einer Menge junger Zweige den Saft zuzusühren? Deswegen treiben sie auch das andere Jahr sehr sparsam, ja sie verdorren wohl gar. Wenn die Zweige aber alle- ab­geschnitten werden: so behalten die Wurzeln Kräfte sich zu vermehren. Ich kann hiervon ein Beyspiel anführen. Ein gewisser Guthsbesitzer hatte am Fuße einer feuchten Wiese eine Menge Satzweiden reihenweise anpstanzen lassen, und sie waren das erste Jahr alle gut gekommen; da sie z Jahr gestanden, blieben sie zwar grün, wollten aber nicht von der Stelle wach­sen; ich gab dem Verwalter des Guths den Rath, daß er im künftigen Frühjahre alle kleine Reiser, welche sehr dürftig aussahen, mit einem Mes­ser abschneiden lassen sollte, wornach sie auf einmal starke Triebe machten, so, daß sie sich nun im guten Stande befinden. Bey einem Guthe an der Saale hatte ich neulich das Vergnügen ein vortrefiiches Weidicht (Sa- licetum) zu sehen. Es war auf einem Viehanger vor dem Dorfe ange- leget worden. Gerade vom Dorfe aus hatte der würdige Guthöbesitzer eine doppelte Baumreihe von den schönsten Aepfel-und Birnbäumen, und auf beyden Seiten lauter Weiden in Quincuncem * und zwar also setzen lassen, daß man überall durch die Linien durchsehen konnte, welches ein schönes Ansehen gab, und die gehörig'behandelte Weiden stunden alle in gutem Wachsthume. Der Herr des Gutheö versicherte, daß er jährlich zoo Schock Wellen von diesen Weiden verkaufen könnte. Welche nütz­liche Verbesserung! Doch das war es nicht allein. Ich fragte wie cs umS Gras zur Weide des Viehes auf diesem Platze stünde? und die Antwort war: unvergleichlich besser, als auf denen dabey gelegenen noch ungebaue- ten Stücken dieses Angers. Ich führe dieses deswegen an, um diejenigen aus dem Schlafe aufzuwecken, die eben dergleichen Gelegenheit haben, ih­ren Nutzen aber verschlafen. Es geht mir, und wie ich weis, auch an­dern, die nur ein wenig von der Landwirthschaft verstehen, allemal nahe, wenn man oft grose Plätze noch wie Wüsteneyen liegen siehet^ die doch auf gleiche Art nutzbar gemacht werden könnten. Äusser den dürren Angern, liegen uns auch noch hin und wieder nasse und sumpfigte Plätze genug vor den Augen, die theils gar nicht genutzet werden, theils saueres Gras und andere schlechte Gewächse tragen. Zu der Verbesserung will ich folgenden wohlgemeynten Vorschlag thun, in Hoffnung, daß er nicht nur werde gelesen, sondern auch befolget werden, sollte es auch nur von einem und

dem

* Qyincunx bedeutet bekanntermaßen die Figur eines Fünfters auf einem Wür­fel nach dieser Stellung