Ausgabe 
19.4.1768
 
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Grund und die andre dieFolge enthält, und beyde sich Wechselswelfe im Ge­dächtnisse erhalten, da im Gegentheil nichts schwerer zu fassen iss, als Be­gebenheiten, die, wie Vocabelnauffer dem Context genommen, ohne Ver­bindung dastehn. Und so wird doch gemeiniglich wenigstens die Universal- historie gekehrt! - Freylich kann man in dieser Geschichte wegen ihrem gro- sen Umfange nicht so weitlauftig seyn, als in einer Specialhistorie; man kann aber doch seine Zuhörer hauptsächlich auf die Glieder in der histori­schen Kette, ich meyne, auf den Sturz, und den Ursprung groser Reiche aufmerksam machen, anstatt ihnen die Geschichte derselben selbst allzuaus­führlich zu erzählen. - Ich dächte, das wäre viel nützlicher für sie. Bey der ersten Art werden sie doch das ganze grose Bild der Geschichte sich tief eindrücken, das sie hernach leicht näher betrachten können, wenn sie wollen; bey der andern Art aber werden sie keins von beyden können; es wird al­les eben so bald vergessen seyn, als sie es gehört haben, und es ist auch nicht anders möglich. - -

Die Vergleichung der Begebenheiten trägt in dem historischen Vor­trage sehr viel zur Annehmlichkeit und zum Nutzen bey. Die schon gefaß­ten Sachen prägen sich mehr ein, und man lernt auch in der Beschicht denken. So kann man z. E. in der alten Geschichte eine Monarchie mit der andern vergleichen, oder doch vergleichungsweise vortragen. Ebendie­ses gilt auch von wichtigen Personen, die fast einerlei) Rolle auf dem.gro-- sen Theater der Welt gespielt haben. Mlrn zeigt nicht nur, was sie ver­richtet haben, sondern man kann sich oft darauf einlaffen, was sie hätten thun sollen, ihren Endzweck zu erreichen; wie es andere besser angefangen haben; u. d. g. kurz, der historische Styl mutz raisonnant und aufGeschichte anspielend seyn.

Die Reflexionen, die von manchen Geschichtschreibern zu oft und manchmal zur Unzeit angebracht werden, thun, wenn sie am rechten Orte stehen, vortrefiiche Wirkung; sie sind die Würze des historischen Vortrags. Allein sie auf die schönste Art, und bey schicklicher Gelegenheit anzubrin­gen/ dazu gehört guter Geschmack und natürlicher Witz , und kann durch keine Regeln gelehrt werden. Allzuoft damit zu glänzen ist eben so uner­laubt, als sie ganz und gar zu vermeiden. Der Geschichtschreiber muß, wieder Redner, ein rechtschaffner und erfahrener * Mannseyn, und alsdann wird er lasterhafte und tugendhafte kluge und unüberlegte Hand­lungen nicht ohne sein Urtheil beyzufügen, noch in ebendemselben Tone

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Bonus & pcritui»