Ausgabe 
19.4.1768
 
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Giessische wöchentlich - gemeittMtzige Attzergm

den kam. Die grösten Leute haben her Beschichte ausserordentliche Lod­sprüche gemacht, Leute, die gewiß nicht ohne tiefe Einsicht in die Sachen gelobt oder getadelt haben. Müreeus * sagt von ihr, daß sie, vor allen andern Wissenschaften, jeden reizet, sie zu siudiren, daß sie mit Entzü­cken gehört wird nnd unser Herz bessert; kurz, daß derjenige- der in ihr fein Vergnügen zu finden vorgiebt, nichö anders sagt, als daß er kein Mensch sey.

Wer selbst die Geschichte mit Geschmack und mit der rechten Artstu- dirt hat, der wird eine innerliche Überzeugung fühlen, daß diese und andre Lobeserhebungen von derselben gewiß nicht übertrieben sind , sondern daß man ihr Gerechtigkeit wiederfahren lasse. Aber woher kommt es denn, daß diese Anpreisungen der Historie noch so vielen Studirenden eine Thorheik sind? - daß man sich entweder gar nicht oder mit vieler Kaltsinnigkeit auf dieselbe legt? G^wiß daher, weil sie gemeiniglich das Unglück hat, solche Lehrer zu bekommen , die sie so verstellen,: daß sie sich nicht mehr ähnlich sieht; die recht geschickt dazu sind, uns einen Eckel vor derselben beyzu bringen; und die, wie ein französischer Autor sagt, denen Bedienten glei­chen, in deren Mund ein von ihrer Herrschaft aufgetragenes artiges Com- pliment alle Annehmlichkeit, und allen Witz verliehrt.

Erlauben Sie mir hier, daß ich.einige zufällige Gedanken von dem Vorkrage in der Geschichte niederschreiben darf, die mir eben itzt, da ich da­ran denke, beyfallen.

Eine der vornehmsten Regeln bev dem mündlichen wie bey dem schriftlichen historischen Vortrage ist, wie jederman weiß, diese, daß man Nerbmdung in die Geschichte bringen soll. Dieses läßt sich leicht sagen, aber es wird selten recht verstanden, und noch seltner ausgeübt. Was heißt hier verbindend Ich glaube nichts anders, als überall zeigen , wie eine Begebenheit ihre Veranlassung und Grund in der andern gehabt hat. Wer also gut verbinden will, der wird die Ursachen der Begebenheiten aufzu- suchen verstehn müssen, wozu noch mehr, als blos historische Kenntmßge- hört. Dadurch aber wird die Geschichte wie mit einer Kette zusammen ge­hängt , und wenn es mit dem gehörigen Geiste geschieht, so ist es von un­endlichem Vortheile für Die Lernende. Der Verstand bekämt etwas zurq Denken, und dem Gedächtnisse wird Die Mühe sehr erleichtert, weil die Historie aus diele Art zu einer philosophischen Kenntniß gemacht wird; und tme Begebenheit von Der andern nicht zu. trennen ist./ indem Die eine den - Gruny

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