Ausgabe 
17.5.1768
 
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rmd Nachn'chten. Tki

gelikheil dmch das Lesen solcher Schriften, die nur von einer einzelnen Ge­gend reden, verführt wird oft kostbare Versuche anzustellen , die ßch zu seiner Landesart gantz und gar nicht schicken, und also unnützlich undfchäd» tich find. Denn es ist bekannt, wie viel auf die Beschaffenheit und Lag* des Erdreichs unter vielen andern Dingen ankommt: und ich kenne zum Exempel eine Gegend wo man auf einer Ebnen die nemliche Früchts gantz anderst baut, als auf dem dicht daran gekegnen sonst sehr fruchtbaren Rü­cken des Berges, so daß man glauben sollte, man käme, wenn man m dem Berg herabsteigt, auf eimmt in em gantz anderes Land, obgleich bey- de einerley Gemeinden zugchSren.

Kein System drr LandhauShaktungskunst ist wegen der crllzugrosm Verschiedenheit der Ländereyen zu hoffen. Ein historischer Auszug der Er» fahrungen, wie man eine jede Gattung von Erdreich, Früchten, Vieh rmd dergleichen hin und wieder behandelt habe, und was für Nutzen da­raus er^lgt sey, würde alles seyn, was man fordern künnte. Ein jeder vernünftiger Laodmann könnte hernach nach Befinden der Umstände ab- und zu geben, Verbesserungen wagen, und den Mangel, der sich etwa in einem oder dem andern Stück in seiner Gegend finden möchte, durch andre Dinge ersetzen: So wie es Gegenden giebt, darinnen man nicht ei­ne Handbreit Wiesen aufweisen kan, und durch allerley Futter-Krauter, und andre Gewächse, die man pflantzt, daö Vieh zu ernähren ftlcht, und wie mir selbst bekannt ist, würcklich weit besseres und gröseres Rindvieh zieht, als an viten Orten, wo Wiesen und Weyden im Ueberfluß vor­handen sind. Welch em Vortheil vor einen Landwirth, der hieran Man­gel hat, wenn er hört, daß man demselbigen auf eine andre Art abhelfm kau? Die Viehzucht bleibt immer das Hauptmittel den Landbau mit Nu­tzen zu treiben, gegen welche alle gekünstelte Versuche von unzehlichm Ar­ten , die Felder zu düngen, vor nichts zu rechnen find.

Aber ein solcher Auszug würde wohl schwerlich das Merck eines ein- tzigen Mannes seyn. Der blose Gelehrte taugt m'chs hierzu: er übersieht die wichtigsten Dinge, und merkt unbedeutende Kleinigkeiten an. Es müs­sen Leute seyn, die äusser einer gesunden und geübten Vernunft, wenig­stens so viel Erfahrung haben, daß sie einige Begriffe von der Landhaus­haltungskunst im allgemeinen haben, fo daß sie theils viel gesehen, theilS manches gelesen und gehört haben, und nicht glauben, daß alles an einem Ort wie am andern thunlich seh, oder gethan werden müße. Es muß ei» m Gesellschaft von Leuten seyn, die zahlreich genug ist, daß vor ein jedes

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