Ausgabe 
14.6.1768
 
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und N'achn'chtM' Bjt

seyn, so ist er eS doch in einem mittelmäßigen Fürstenthum tihb schickt sich Meinem Bedüncken nach auch sehr wohl auf unser geliebtes Vaterland.

Der wichtigste Einwurf ist noch übrig und betritt das Frauenzim- mer. Hier giebt eS allerdings die grüsten Schwierigkeiten. Gantz ohne Uniform kann man sie nicht lassen, denn sonst werden sie das wieder ver­schwenden, was die Männer durch diese Verordnung erfparen. Aber yie- jelbige zu seiner Zeit zu bestimmen muß man allerdings Frauenzimmer mjt zu Rath ziehen. Der Grundsatz ist: sie muß nach dem Stand und Cha- racter des Mannes oder der Eltern eingerichtet seyn : wiewohl das ledige Frauenzimmer in dieser Sache nicht zurückhaltend genug seyn kann : weil zum Exempel die Tochter eines Regierungs- Raths , eben nicht gerat) gleich wieder einen Regierungs.Rath zum Mann bekömmt, wie dann der Vater auch vielleicht erst zwantzig Jahre in den untern Klaffen gedient hat, ehe er so hoch gestiegen ist. Da ein lediges Frauenzimmer selten weiß, ob es den Staat den es macht, bey einer Heyrath fortführen tann, oder darf, so ist es am besten daß es vorsichtig und mäßig in Kleidern ist; denn es ist weit schicklicher hernach hinauf-als herab zu steigen. AllB kommt hierbey auf einige der vornehmsten Damen im Staat an. Wen« diese sich gewisse Uniformen (denn es muß fteylich eine Abwechselung eini­ger Kleider bey diesen weit eher als bey den Mannspersonen statt finden ) # gefallen lassen wollten, so werden die andre nach und nach angereitzt wer­den, die gegebne Vorschrift mit Vergnügen anzunehmen: zumal wenn sie se­hen, daß ihre Manner dieselbige tragen, und auch hierinnen durch ihr Ep- empel lehren. Und mich deucht vornehme Frauenzimmer hätten am mei­sten Ursache, auf die Ausführung dieses Projects zu'dringen. Denn eben dadurch werden sie in den Stand gesetzt, sich von andern die geringer sind, zu unterscheiden; da man im Gegentheil jetzo das Kammermadgen sehr oft mit der gnädigen Frau verwechselt, und wenn eine Prinzeßin kaum einmal mit einem neuen Stoff in der Comödie erscheint, sogleich in den nächsten acht Tagen, zehen andre, die oft nichts als bloße Kaufmanns Madgen sind, in eben der Tracht angezogen kommen. Vor Herrschaftliche Personen, würde eben dieses ein groser Vorzug seyn, daß sie tragen könnten, was sie wollten, und nicht gleich eine jede neue Mode nachgeäst, und biß zu Her Schuflickers Frau erniedriget würde.

Projectshausen den rz. April. 1768

Bartholomäus Vestranus.

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