Ausgabe 
8.3.1768
 
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gehet Betrug und Jrrthum genug vor, wenn man die Reifer von andern Orten herholen läßt. Sind nun die Bäumchen gepfropft oder oculiretr fo müssen sie auch zu einer geraden Höhe gezogen werden; zu welchem En­de schwache Pfahle beygestecket, und die Baume angebunden werden müs­sen. Auch müssen dann und wann im Herbste oder Frühjahre, die Sei- tenaste zum Thei! abgeschnitten werden. Man hüte sich aber ja, nicht zu viel auf einmal abzunehmen,und sie wie SpießruthenauSzuputzen, welches emen grossen Unverstand anzeigek. Ich habe wohl eher gesehen, daß man­che, die die Gärtnerey verstehen wollten, mitten im Sommer die Blatter vom Stamme bis fast an die Spitzen abstr'eiselten, und vermeyneten da­durch desto geradere Stämme zu ziehen; allein an deren statt bekamen sie Krüpel, welche nicht von der Stelle wuchsen, bis sie unten ein paar Zoll Uber dem eingepfropsten Reise abgeschnitten wurden, damit sie von neuem ausschlagen konnten. Man hüte sich ferner, keine Baume aus seiner Baum­schule auszuheben und zu versetzen, bis sie die Stärke eines spanischen Roh­res erlanget: denn Spießrukhen zu versetzen ist gefährlich, und wenn sie auch anwachsen und grünen, so steh- sie doch lange, ehe sie weiter in die Höhe schiessen, und es wird selten was daraus. Man leidet gewiß keine Einbusse, wenn man die rechte Zeit zum Versetzen erwartet. Ich habe ein andermal den Vorschlag gethan, daß man die aus guten Obstkernen er­zeugte junge Stamme, die ein fettes Laub und Holz haben, so lange stehen lassen sollte, ehe man sie pfropfet oder oculiret, bis sie getragen haben , weil daraus gar öfters die schönsten Arten hervorkeimen: sollten sie aber, wider Vermuthen, nicht nach dem Geschmacke ausfallcn; so ist es noch immer Zeit, solche zu Pfropfen. Hesse bestätiget dielen Vorschlag im ersten Thei- le seines deutschen Gartners S. 22.1 woselbst er anmerket, was für schöne Gattungen von Aepfeln, Birnen und Pfirfchen er solchergestalt erzogen, und wie reichlich er dafür belohnet worden. Der Herr Rathsmeister Rei­chard will zwar int zweyten Theile des Land, und Gartenschaizes S. zr, das Gegentheil behaupten, und nimmt des Herrn Hofmanns"Meynung in gleichem Falle mit dazu: allein wenn marin das vorhergehende S- rr. erwäget, da sowohl Herr Reichart, als Herr Hofmann von wilden Obst- kerncrn reden: so istes wedermeinem noch Hessens Satze zuwider-, denn von wilden Obsikernen ist kein anders, als wildes Obst zu hoffen. Wollte mau solchen Bäumen, nach Herrn Hofmanns Meynung, durch das öftere Umsetzen helfen: so ist lolches ganz vergeblich, und alle Gartenverständige wissen, daß Gewächse, sonderlich Bäume, durch öfteres Umsetzen nicht verbessert, sondern verschlimmert werden. Wenn ein einfacher Nelkenstock gleich hun­

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