Ausgabe 
6.12.1768
 
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394 GLesirsche w§chetttlrch--SemeittrrStzLge Attzeigett

dessen nur der Kopf und der Bauch wachst. Die Kinder verfallen niemals' vor dem sechsten Monat in diese Krankheit/ doch kenne ich verschiedene Fa- milren in der Schweiz/ in welcher sie von dieser Zeit an geherrschet hat; mehrentheilS geschieht es zwischen dem ersten und zweyten Jahre. Diese nur zum Theil geheilte Krankheit läßt oft sehr lange/ und ohne daß es je­mand achtet/ Verstopfungen in den Drüsen zuruck die zu. vielerlei; wenig verstandenen Krankheiten führen/ und nicht selten zu einer tödtlichcn Ab-- zehrung. -

Der sehr berühmte und in Paris sehr beliebte Arzt / Herr Vander- monde/ denkt mit mir und ich mit ihm/ daß dec Brey die schlimmste Nah- rung für die Kindersey. Dieses unverdauliche Gemisch von Milch und Mehl/ das nicht Hegohren hat / sagt er.macht in dem Magen mchr nichts/ als einen ungestalten Quark, der keine Zubereitung überstanden hat/ und der keine andere Veränderung erfährt , als die/ welche ihn zu seiner'ur­sprünglichen Säure zurückführet. Der Brey ist ein nur allzugewöhnliches und.durch eine lange vernunftlose Hebung geheiligtes Gift/ das die Milch­gefäße verkittet/ die Wege des Nahrungssafts und des Bluts verstopft. Es ist ein dicker/ zäher/ leimichter/ plumper Quark/ der in schwächlichen Körpern auf keine Weise in eine bequeme und gesunde Nahrung bereitet und verwandelt werden kann / und dessen schädlichen Eigenschaften nur der stärk­ste Magen und zuweilen nur die fast unüberwindliche gute Leibesbeschaffen­heit des Kindes widersteht. Diese plumpe Speise ist nicht so bald in dem Magen der armen Säuglinge/ als sich schon die Milch von demselben ab* sondert/ gerinnt und sauer wird/ da indessen dasklebrichte Wesen des Mehls aufquillt, ebenfalls sauer wird/ und halb gegohren in dieMilchgefäße über» geht/ iu den Gekrösdrüsen stockt/ und alle Wege der Nahrung verkittet. Daher nehmen alle schwächlichen Kinder, die man mit dem Breye nicht ge- tödtet hat, sehr merklich an ihrem ganzen Leibe ab, indem ihr Bauch im­mer wächst/ und sie folglich in die Verknüpfung verfallen. Der Brey ist die gar­stige Quelle der meisten Hebel Der Ungestaltheit und des Todes der Kinder,Uber zum Unglück gründet sich, wenigstens bey bürgerlichen Weibern, der Stolz sehr oft auf die Fettigkeit ihrer Kinder, und darum überfüllen sie, in der ungewissen Hoffnung diese drollichte Leibesgestallt den Kindern zu erzielen/ ihre Magen mit dem auch ost für erwachsene unverdaulichen Brey, weil sie nicht begreifen können oder wollen, daß alle Speisen erst dann zur Nah­rung werden / wenn sie verdauet sind.

Mittel