L»4 Gr'esfische wöchentlich gemeinnützige Anzeigen
noch von Keitz zeugte; Der Hm davon war ein Philosoph, der sich der Welt entzogen hatte, und hie/ in Ruhe sich nur mit Weisheit und Tugend beschäftigte, und gleichwohl niemals einen Ueberdruß empfand. Es hatte ihm gefallen, sich diesen einsamen Aufenthalt zu bauen , worinn er hie Fremden mit einer Grosmuth aufnahm, die nichts von Prahlerey an sich hatte. Er gieng selbst den beyden Reisenden entgegen, und ließ sie sogleich in einem bequemen Zimmer ausruhen. Einige Zeit hernach kam er selbst zu ihnen, um sie zu einer reinlichen und gut zubereiteten Mahlzeit ein- zuladen, wahrend welcher man sich von allerley Dingen unterhielte, und endlich darinn übereinkam, daß der Lauf dieserWeltnicht immer nachdem Wunsche der Weisesten eingerichtet wäre. Der Einsiedler behauptete allezeit, daß man die Wege der Vorsehung nicht kennte, und daß die Menschen höchst unbillig handelten, wenn sie von einem Gantzen urtherlen wollten, von dem sie nur den geringsten Theil einsahcn.
Man sprach von den Leidenschaften; Achl wie traurig sind sie, sagte Aadig. - Sie sind die Winde, welche in-die Segel des Sch^s-blasen müssen, antwortete der Einsiedler; sie versenken es manchmal, allein.ohne sie würde es auf der See nicht fortkommen. Die Galle macht zornig und krank; allein ohne die Galle kann- der Menschnicht leben- Alles ist gefährlich hienieden, und alles ist norywendig.
Man sprach von dem Vergnügen,'und der Einsiedler bewieß, daß dieses ein Geschenke der Gottheit wäre: denn der Mensch, sagte er, kann sich weder Empfindungen, noch Ideen geben, er empfangt alles ; den Kummer und das Vergnügen bekommt er, wie sein Daseyn, aus einer fremden Hand.
Zadr'g konnte nicht begreifen, wie ein Mensch, der solche ausschweifende Sachen unternommen hatte, doch so gut philosophiren könnte. Nach einer eben so lehrreichen als angenehmen Unterhaltung, führte der Wirth seine zween Reisende wieder in ihr Zimmer; und dankte d m Himmel, daß er ihm zween so weise und tugendhafte Menschen zugeschickt hatte. Er both ihnen Geld an, und das auf eine so ungezwungene und edle Art, die unmöglich beleidigen konnte. Allein der Einsiedler schlug es aus; und sagte ihm, daß er Abschied von ihm nähme, weil er fest entschlossen wäre, morgen vor Tag nach Babylon abzureisen. Ihre Trennung war sehr zärtlrch; besonders empfand Zadtz viele Hochachtung und Neigung in sich gegen einen so liebenswürdigen Mann.
AlS


