Ausgabe 
2.8.1768
 
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M Gr'eflrschs wSchmtlrch gömerttMtztge Attzergm die Betschwestern, welche denken, daß man fie nicht eher für fromm dis sie auf d^christlichfte Art von der Welt ihrer ruchlosen Mitschwestem ärgerlichen Wandel und Leben durchgenommen , und über die Lasier von Personen geseufzet haben , worunter die schlechtsten immer noch besser find als sie selbst. Um einem Lasterhaften zu gefallen, der gewisse tugend­hafte Leute nicht leiden kann und sie gern für lasterhaft gehakten wissen woll­te, begeht man sehr oft ein Laster , das man sonst nicht würde begangen haben. Die Hofleute und die Schriftsteller beweisen dieses hinlänglich. Bey vielen ist dieses Laster auch blose Gewohnheit v sie haben nie etwas Anders bey ihren Eltern reden hören, als über andre, in diesem Tone haben fie gleichsam reden lernen, und der ist also ihr natürlicher Ton geworden. Nun noch der Kaffee! - Ja, ich glaube trotz allen, die die Natur dieser Bohnen besser wissen wollen, daß der Kaffe eine verläumderische Kraft hat. Ich habe die besten Leute zu einem Kaffebrsuche kommen sehen, die bis zum Einschenken noch alle nachtheilige Erzehlungen , glaube ich , würden bestritten haben; und bey der zweyten Taffe mußte ich vor Schrecken stürzen, und fortgehn, so hatten mich diese guten Leute durch ihr unvermu- thetcs Verläumden in Erstaunen gesetzt.

Lucre und Elnnre sind das gross Werkzeug der Verläumdung in N. N- So sehr sie sich einander selbst hassen, so hat sie doch das ver­einigte Interesse zu äusserlichen Freundinnen gemacht. Jedermann kennt diese zwo berüchtigten Baasen, und jedermann fürchtet sich vor ihnen. Indessen wrrd man doch von Herzen gern in jedem Hause ihre Besuche an- nehmen, weil man dadurch von ihnen verschont zu werden hoft; fast so, wie die Seemächte dem Dey zu Algier einen Tribut bezahlen, damit er ih­re Schiffe nicht bestiehlt. Allein sie sind in einer gesitteten Stadt noch weit barbarischer, als der Dey; der Tribut muß da seyn, und die Cape- reyen gehn doch fort. Sie würden eine schlechte Figur machen, wenn sie nicht em Metier erwählt hätten, das ihnen nicht einträglicher seyn konn­ten. Alle Tage sind sie in einem vornehmen Hause , wo Frauenzimmer find, entweser zu Tische, oder doch zum Kaffee. Hingegen kommt nie­mand zu rhnen, weil sie vor den vielen Besuchen, die sie abzustatten haben, keine Zeitgewinnen können, wieder welche anzunehmen; oder weil jeder­mann nur ihnen Gefälligkeiten erzeigen will, ohne sie wieder zu erwarten, vnd ohne etwas anders dafür zu verlangen, als die Sicherheit seines gu­ten Namens. Viele haben auch noch eine andre Absicht dcbcy. Sie -Om (in Vergnügen dmn, die tiefsten Geheimnisse aller Familien in der