Ausgabe 
2.2.1768
 
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allein bi« Welt M

alles nicht übel.

Wer nur einige Erfahrung bat, der wird wissen, daß die Welk nie- MlS nach dem eigentlichen Wertyedie Menschen beurtheilt, und immer mit Ungerechtigkeit lobt oder fabelt. Sie richtet sich allezeit nach dem AuS- «ange, den die Handlungen der Menschen haben. Wen« dieser gut ist, I» erhalten die lächerlichsten Thorheiten und die strafbarste« Laster ihren Bey- Mr und ohne denselben mag der ehrliche Mann ein halbes Jahrhundert irnrnet da« seltensteBeyspielder Tugend gewesmseyn,'er wirbdoch keinen Anspruch auf das Lob der Welt machen dürfen. Denn Ende gut: alles Mr und wo dar nach der Welt ihren Begriffen, schlecht ist, da ist alles schlecht gewesen. Sie klatscht nicht eher bis der Vorhang zufcillt. Vielleicht wird das, was ich sagen will, durch Beyspiele deutlicher werden.

. , . Aristides ist, wie seine Freunde sageg, durch wirckliche Verdienste st hoch gestiegen, daß er das Ruder des Staats in Händen hatte. Er ist «IS Privatmann arm gewesen, und war noch als Minister der ärmste Mann im Komgrech. ^Dieses wollen gewisse Leute für einen sichern Beweiß an» fel>en > daß Anstrdes mit dem Interesse des Prinzen treu und gewissenhaft umgegangen wäre. Er soll dem Staate sich gänzlich aufgeopsert, und nur ' dessen Wohlfarth jo ummmhet ^arbeitet haben. Viele neue An- stalten die noch ihren Nutzen haben ,rühren von 'M her. DaS war alles nicht übel. Allein Pi« Welt Hieb- immer noch sehr kaltsiiiiiig ge­gen dm Anstrdes. Niemand erhob feine Verdienste. - Auch die Poe- ten nicht? die doch sonst»- Nein doch! Aristides war arm - Er wurde al(o wn niemanden gelobt. Aber man tadelte ihn auch nicht. Vielleicht weil er uns bey dem Könige schaden konnte ? Ganz und gar nicht. Die Welt wollte nur erwarten, ob er auch ein wahrhaftig groser Mann wäre, Und die Kunst verstünde ein gutes Ende zu machen. Das wird sich bald »eigen. Durch den Eifer, mit welchem Aristides dein Könige diente, und durch die Ehre, die ihm der Monarch erzeigte, erweckte er sich viele Weiter, und zwar Neider von Stande, die weit reicher und von höherer Geburt waren, als er. ES glückt ihnen endlich, den Aristides zu verläum- den. Der Köms giebt seinen Feinden Gehör. Aristides befaß zu viel Eigensinn, als daß er sich durch eben die Künste, durch die M ihikver- haßt gemacht, wieder eingeschmeichelt hätte; und wollte dasjenige nicht vurch Niederträchtigkeit, wie eres nennte, wieder erlangen was man ihm gewaltsamer weise geraubt hat. Und so wurde denn der verdienstvolle Mann Murtzk; er fallt m die Ungnade des Königs, und wird aller Ehren entsetzt. So wird Anstrdes/der beynahe auf der höchsten Stufe des Ruhms

"ul einmal Vie Verachtung des VolckS. Ein gefallener Minister.' - - Man

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