Ausgabe 
30.6.1767
 
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»nt NachrLLeen. 227

tttb tinb dadurch Ursache zu unendlichen Zanckereyen und Feindschaften werden. Hütet euch vor ihnen wenn ihr in keine Verdrieslichkeiten miteins geflochten werden wollt: und dieses um so mehr, da man schon Mstchen g-e- nughat, sich vor Leuten in acht zu nehmen, welche noch nicht eigentlich vor Plaudrer bekannt sind, aber doch die Gabe haben, daß sie vonviemanv etwas gutes, von jedermann aber böses reden.? Werin diese auch eine zeix- lang eure Freunde scheinen möchten, so gedenket doch immer davon , daß die Reihe auch an euch kommen werde, und sie vielleicht schon, jetzo euch hin und wieder verleumden; welches ihr entweder gar nicht erfahret oder wegen eures guten GemüthS, nach welchem ihr andre zu beurtheilen pflegt, nicht glauben wollt.H

Alcmd-r ist vermöge seines hitzigen Temperaments zur Gesellschaft gantz untauglich. Man mag die Worte, die man spricht, noch so sehr auf die Wagschale legen, so gerath er doch nur aüzuleicht, da er nöch darzu argwöhnisch ist, ins Feuer: und wenn er einmal ein wenig gefangen hat, so brennt alles in einem Augenblick lichterloh. Er gerath in eine Heftig- » reif, in der er weder sich selbst noch die Umstehenden mehr kennt. Er vergißt alle Ehrerbietung und Nachsicht die er seinen Vorgesetzten und seinen Freunden schuldig ist. Wie ein Bock der gleich zustößt, so bald man nur die geringste Bewegung macht, ohne daß er abwartet, ob man mit dem Kopfe nickt und ihn reitzen will, wird er bey der ersten Kleinigkeit empfind- kich, heftig, ausgelassen und wütend.

Lesbia ist nichts weniger a!S boshaft und von dieser Veite wäre sie üllerdings zur Gesellschaft zu gebrauchen. Aber sie ist im Gegentheil desto einfältiger: man kan fast eben so wenig mit ihr reden, als mit ihrem Hau- Venstöck. (Sie ist schön, aber so bald sie den Mundaufthut, wünscht man sich aus der Gesellschaft: denn sie erzählt erbärmlich, urtheilt abgeschmackt, tzricht pöbelhaft, ohne den geringsten Witz, ohne - gesunde Vernunft, und ohne Lebhaftigkeit. Wer will mir zumuthen daß ich die Gesellschaft der Lesbia suchen soll, um bey ihr Langeweile zu haben, oder gegen chr überein- . jufdMen .

Dorimene halt alle Zeit für verlohren, die sie nicht am Spieltisch zubnngt. Gerath sie in eine Gesellschaft, worinnen nicht gespielt wird, so ist es ihr allenthalben nicht recht: sie weis nicht zu bleiben, und eilt unter ? deck, nichtigsten Vorwand davon. Wer mit ihr Umgang haben will, der muß es so einrichken, daß sie immer eine Gesellschaft zum Spiel findet r dieses kan ich aber nicht immer: ich habe auch nicht immer Lust die schöne

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