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sprach mich nicht allein vom Duell frey, sondern legte mir auch noch den kobspruch bey, daß ich mich jederzeit als ein tapfrer Soldat bewiesen hatte und daß man gewis versichert wäre, ich hätte den Duell nicht aus Zaghaftigkeit ausgeschlagen, u. d. m.
Inzwischen ist es doch immer eine sehr fatale Sache, wenn man zu rinem Duell herausgefordert und in die Nothwendigkeit gesetzt wird, ihn rmszuschlagen. Man muß in einem grosen Ansehen stehen und ganz unge- zweifelte Beweise von seiner Tapferkeit abgelegt haben, wenn man sich dadurch dem Vorwurf einer Feigheit nicht aussetzen will, obgleich dieser Vorwurf uns nicht von der Erfüllung höherer Pflichten abhalten muß. Meide demnach mit der größten Klugheit alle Gelegenheiten, wo du Streit bekommen kannst. Begegne jedermann höflich, sey nicht stolz weder auf deinen Reich- thum, noch auf deinen Adel und fliehe vornehmlich die Trunkenheit und die Hazard-Spiele. Diese sind meistentheils die traurige Ursache der Duelle. Alle Spiele möchte ich dir eben nicht gern verbieten. Denn nach der heutigen Art zu leben wird das Spielen als eine nothwendige Eigenschaft an einem artigen Osficier angesehen. Wage dich aber nie in andre, als in solche Spiele, die noch mit dem Character eines ehrlichen Mannes und eines uneigennützigen Freundes bestehen können. Spiele nicht oft, spiele nicht hoch, aber spiele jederzeit grosmüthig. Die Niederträchtigkeit ist beynahe nie schändlicher, als im Spiel, und dennoch giebt es so viele Niederträchtige Spieler auch unter den vornehmsten Personen.
Ehe ich schliefe, muß ich dich noch um etwas bitten, nämlich um die Fortdauer deiner Liebe zu der Lectüre und überhaupt zu den Wissenschaften. Niemand hat mehr Muße zum Vücherlesen als ein-Officier, und es ist ihm gewis keine Schande, wenn er sich unermüdet damit beschäftigt. Ich kenne keinen edleren und nützlicheren Zeitvertreib, als die Lecture, es müßte denn der Umgang mit einem treuen und vernünftigen Freunde seyn. Nur wähle dir immer solche Bücher, die deine Erkenntnis erweitern und dein Herz bessern können. Ich wollte deswegen nicht gern, daß du dich viel mit Romanen abgäbest,so sehr es auch unter den-Officieren Mode geworden ist. Dies sind meistentheils, nur sehr wenige ausgenommen, unnütze und verführerische Bücher, die den Kopf mit leeren Grillen und mit abgeschmackten Possen anfüllen, und zur Verschönerung des Herzens wenig oder nichts beytragen. Doch dieses alles weißt du schon und ich habe dirs nur gesagt, um dich von neuem daran zu erinnern. Ich muß schliefen. Die Schmerzen, die ich seit einigen Tagen wieder an meinen Wunden
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