wöchentlich -
Vier und Dreyssigstes Stück.
Dienstags den rsteri August 1767. —•—----—.—— -
Mit Hüchfüt'stl. Hessen- Darmstadtischer gnädigsten Erlaubnis.
Eingesthickte Sachen aus Mieder-Hessen.
ls die Liebe und die Thorheit einstens , man weiß nicht eigentlich warum, unter einander uneins wurden, so gerieth die Thorheit, die' in ihrem Leben wenig Ueberlegung und Geduld gehabt hat, in eine!
solche Heftigkeit, daß sie über die Liebe herfiel und ihr im Zorn die bcyden Augen ausschkug; und seitdem ist die Liebe blind. Die Liebe beschwerte sich, wie leicht zubegreiffen, in den kläglichsten Ausdrücken, bey der Versammlung der Götter: und die Thorheit wurde verdammt, die Liebe, welcher die Götter ihre Augen entweder nicht wiedergeben fönten, oder auch aus Rache für die ihnen so oft .gespielte Streiche,, nicht wicder- geben wollten, zu begleiten, und nach Art eines Blinden herumzuführen. Seitdem ist die Thorheit eine beständige Gefährtin der Liebe.
Es bedarf eben keiner grossn Aufmerksamkeit, um von der Wahrheit dieses Satzes, den em gewisser Dichter in diese Fabel eingekleidet hat, über- reugt zu werden. Eine mäßige Erfahrung zeigt uns unzahliche Ausschweifungen, welche von Verliebten begangen werden. Kluge und gesetzte Leute werden kindisch, tändelnd und abgeschmackt: Häßliche bilden sich ein schön zu seyn und zu gefallen: Geitzige werden zu Verschwendern: undbey einigen geht die Thorheit so weit, daß sie sich selbst umzubringen droben. Ich weiö nicht, ob dieses äusser der berühmten Sappho, die sich aus Ver-
K k ' Miflung


