Ausgabe 
24.2.1767
 
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Viesstsche

wöchentlich-

Dienstags den z4te« Zebruar. 1767.

MitHochfürstl. Hessen-Darmstädtifcher gnädigsten Erlaubnis

Von den falschen Absichten, welche die Leute bey dem Loben zu haben pflegen.

ßfom von dem wahren Werth einer Handlung zuurtheilen, muß man M Diefelbige nicht blos auf der Seite betrachten, auf welcher sie am meisten glanzt, sondern man muß vornehmlich die Triebfedern zu entdecken suchen , wodurch dieselbe verursacht worden. Was scheint ange­nehmer zu seyn, als das Lob, das uns andre ertheilen ? Die grösten sind gegen daffelbige nicht gantz unempfindlich: und dennoch sind die Quel­len mancher, woraus es zu fliesen pflegt, fast alle trüb und unrein.

Die meisten welche uns loben, thun es aus einer Schmeichelet), bey welcher sie bald gar keine, bald eigennützige, bald boshafte Absichten haben.

Schmeichler von Profession loben blos aus Gewohnheit, ohne daß sie eine besondre Absicht zu haben scheinen. Sie sind durch die lange Ue- bung des Lobens so gewohnt worden daß sie alles rühmen und bewundern, was ihnen vorkomt. Weil sie aus der Erfahrung befunden Habel!, daß dieses eins von den sichersten Mitteln sey, sich in Gunst zu erhalten und sie sich deffelbtgen dahero bey aller Gelegenheit bedient haben, so hat ihre

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