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und Sorgfalt auferziehen und mit lauter Wahrheiten und nützlichen Erkenntnissen bereichern sollte, diese Vernunft, die doch wohl zu einem ganz andern Endzweck dem Menschen verliehen worden ist, als daß sie mit Wahn und Aberglauben und abgeschmackten Possen so frühe sollte angefüllt werden. Ich will jetzt daran nicht denken, daß es sehr wenig Respekt gegen den Erlöser der Welt und daß es eine unverantwortliche Beschimpfung und Lästerung feines heiligsten Namens anzeigt, wenn man ihn den Kindern in der Gestalt einer verbuhlten Magd vorsiellt, die eine Krone auf dem Haupte trägt, mit weisen Kleidern angetha» ist und gemeiniglich noch einen mit Lumpen unwickelten Ker! hinter sich hergehen läßt , der die Kinder in Angst und Schrecken setzen soll; ich will jetzt an diese strafbare respektlose Vorstellung nicht denken; ich will nur behaupten, daß dieses der nächste Weg ist, den Saameu des schädlichen Aberglaubens in die zarten Herzen der Kinder auszustreuen und ihren Verstand mit allerley Hirngespmnsten anzufüllen, bereit Stelle doch füglich nützlichere und angenehmere Dinge einnehmen könnten. Ueber- haupt solte die erste Sorge der Eltern bey der Erziehung ihrer Kinder dahin gehen, daß sie ihnen nichts sagten, als was wahr und gut ist. Es hat zwar seinen grosen Nutzen, daß man den Kindern zuweilen Fabeln erzählt, um ihnen dadurch gewisse Lehren zu geben. Allein von GOtt und göttlichen Dingen muß man den Kindern keine Fabeln, keine abergläubische Mährchen vorsagen.
Man wird vielleicht glauben, ich wollte durch den Tadel dieser schädlichen Gewohnheiten zugleich den Kindern die unschuldigen Freuden rauben, die sie bey den Geschenken empfinden, welche man ihnen jedesmal auf Weihnachten zu geben pflegt. Nein, das ist ganz und gar meine Absicht nicht. Ich wünsche vielmehr, daß die Eltern den Kindern auf alle nur erfinnliche Art dieses Fest merkwürdig machen und ihnen an demselben die allerstärksten Beweise von ihrer Liebe und Wohlthätigkeit gegen sie geben möchten, so wie ich überhaupt wünsche, daß sich alle Eltern bemühen möchten, jede Gelegenheit sorgfältig aufzusuchen und keine einzige vorbey gehen zu lassen, wo sie ihren Kindern eine Freude machen und sie von ihrer väterlichen Liebe überzeugen können. Sondern meine Absicht geht nur dahin, alle vernünftige Eltern von diesen bösen Gewohnheiten durch die schlimmen Folgen abzuschrdcken, die darausjentstchen, wenn sie den Kindern von den heiligsten Dingen elende und falsche Begriffe bcybringen. Ich hielte es für viel nützlicher und vernünftiger, wenn man ihnen bey den Geschenken, die man ihnen auf dieses Fest erthcilt, zugleich die Ursachen bekannt machte, warum man sie ihnen gerade . heute, und nicht auf einen andern Tag ertheile: wenn man ihnen z. E. sagte:diese Geschenke, meine Kinder, gebe ich euch jetzt, weil dieser Tag ein sehr heiliger Lag ist. GOtt hat ehedem an diesem Tage allen Menschen unaussprechiich viel gutes erwiesen. Deswegen ist jedermann heute so voll Freude und Vergnügen, deswegen erzeigen euch heute eure Eltern so viel gutes. Erinnert euch oft an diesen Lag, betet fleisig zu GOtt daß er euch täglich frömmer machen wolle , liebt eure Eltern und seyd ihnen gehorsam, damit sie euch immer so viele Geschenke geben, wenn es Weihnachten ist. ;i. s. w. - Diese Gespräche, die meiner Meinung nach, jedes Kind begreifen, wenigstens besser begreifen wird, als jene widersprechende Erzählungen vorn Christkindchen, könnten, wenn ich mich nicht sehr irre, viel gutes bev den Kindern stiften. Dadurch würden ihnen nicht allein ihre Freuden nicht
, geraubt.


