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von erdichteten Versicherungen der Ehrfurcht und Ergebenheit sind, anhören sollte; ich glaube gewisser würde ohne Wörterbuch unsre alamodi« sehe Redensarten nicht verstehen können. Wenn wir doch nur den zehnten Theil von Complimenten brauchten und waren dabey herzlicher gegen unsren Nächsten gesinnt; so wäre es viel besser. Wenn man in unsre Gesellschaft kommt, welch eine Menge unnöthiger und nichtsbedeutender Complimenten hört man nicht? Complimenten bey dem Eintritt in die Gesellschaft; Complimenten, wenn man uns Caffee oder sonst eine süße Gabe darreicht; Complimenten, gegen einige Nachbarn, daß sie doch so gütig seyn und das wieder von uns annehmen möchten, was wir mit eben so vielen Complimenten angenommen haben; Complimenten wenn man nichts mehr annehmen will; Compl.menten, ja manchmal Betheurungen und Schwüre, daß alles ganz vortrefiich, und wenn es von einem schönen Mädchen herrühret, göttlich gewesen sey; Complimenten, ackerlange Complimenten/wenn man weggeht; Complimenten bey dem Aufstand, der bey unserm Äbschiednebmen gemacht wird. Nun begleitet der Wirth seinen Gast , redet noch eine Viertelstunde mit ihm auf der-Hausthüre, komk wieder zurück, und die Gäste stehen noch alle. Er fängt an sie zum Sitzen zu nöthigen, und bis er sie dazu bringt, gehr wieder eine halbe Stunde darauf.
Doch so falsch auch dieser Wohlstand ist, so unangenehm und ver- drüslich eine Gesellschaft durch die ewigen Complimenten werden muß, und so wenig sie das Vergnügen der Geselligkeit beordern; so wollte ich doch noch damit zufrieden seyn, wenn nur unsre hochmüthigen Köpfe nicht so sehr auf die Rangordnung sähen. Allem Die Begierde, andern vorgezo- gen oder wenn man noch ein wenig nachgiebt, doch auf das pünctlichste nach seinem Range belebt zu werden, herrscht leider l bis zum Eckel unter uns und ist die Ursache von so vielen sauren und scheelen Gesichtern, die man manchmal in unfern Gesellschaften erblickt. Ich wollte es keinem ra- then, der einem Frauenzimmer, das den Rang sm einem andern zu haben glaubt, nicht zuerst den Caffee reichte, oder die Gesundheit eines hochmü- rhigen nicht eher tränke, als eines andern, der nicht so schön frisirt ist. ' Und was könnte ich nicht noch von dem Gesundheittrinken sagen? Man trinkt auf die Gesundheit eines anwesenden Gasts; Man trinkt auf sein Vergnügen, auf die Gesundheit der dulciflimae cottae, von deren Süßigkeit sich ihr Mann noch nicht einmal hat überzeugen können; man trinkt auf die Gesundheit der lieben Jugend, der hohen Angehörigen, und wer weis, wie die Gesundheiten alle heissen ? Das betrübteste bey der ganzen Sache ist, daß " v. C r matt


