Ausgabe 
19.5.1767
 
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»56 Giesflsche wöchentlich semeinnSyrge Anzeigen

tien, denn diese wachsen in kurzer Zeit, damit die Verknappen nicht ttti Voraus unnöthig gehindert werden, und es ihnen alsdenn ohnverschuldet zur Last geleget werde Auf eine solche Weise wird es die Nachwelt bey- den Theilen verdanken, und Ihre Nahmen verewigen. Glück auf! Ge- schrieben im Wald am Flachenschacht, die grüne Halle genannt, üLffmflf. nHg,den roten des Maymonaths 1767.

Hagedorn

Beglückt ist der, zu dem sein Vater spricht: Sohn, sey gelehrt l und der den Vater höret.

Meme Herren!

Es wurde neulich in einer gewissen Gesellschaft von verschiedenen wich­tigen Gegenständen gesprochen: man unterhielte sich von der Erziehung der Jugend, und kam von da gantz natürlicher Weise auf das UmversikarsLe- den. Die meisten hatten bisher recht gute Anmerkungen gemacht, auf diesem Punckt aber klagte Herr N. sehr ernstlich über den Verfall der Aca- demien: die Nachlässigkeit, Liederlichkeit, und andere Laster, sagte er, neh­men so überhand, daß man bald nicht mehr weiß , ob man seme Kinder stu- diren lassen soll, oder nicht. Da diese Sache mich besonders in der gan- tzen Gesellschaft angieng, so konnte ich nicht länger schweigen. Und wie hätte ich auch schweigen können, da ich einer von denen bin, die die Wis­senschaften kaum von weiten gesehen haben, und ich folglich gerne disputi- re. Ich suchte ihn zu wiederlegen, und da ich in Ihren Blättern eine Ab­handlung vom unnützen Beklagen gelesen; so fiel ich gleich auf die Gedan- cken ob sich dieses nicht auch dahin schicke.

Soviel ich davor halte, muß allezeit das vorher besser gewesen seyn, über dessen Verfall man klagen will. Nun zeige mir aber jemand in wel­chem das UmversitätsLeben jemalen besser gewesen als jetzo; Man hat al­lezeit Leute auf Akademien angetroffen, die sich in allen Lastern herumge- wältzt haben , und vielleicht ehedem weit mehrere als jetzo. Ich erinnere mich vor einigen Jahren einen Greisen gesprochen zu haben, der sich nicht genug verwundern konte, wie sehr das wilde Leben auf Universitäten abge­nommen; damals (das war 1710.) sagte er, war es eine Schande einen neben sich sitzen zu lassen, der seine Händel noch nicht ausgemacht, hie er nur den Augenblick bekommen hatte. Damals wäre es ein Wun­der gewesen wenn ein neuer Ankömling, ohne, nach dem bekannten Aus­druck,