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tzeut zu Tage kostbar kleiden, wenn man nicht in allen Gesellschaften für pöbel­haft und ungesittet wollte angesehen und verspottet werden, Wir hatten so gar ein Sprüchwort, das diese: Aleider machen Leute. Diese Er- . Zahlung erschreckte den Geist beynahe eben so sehr, als mich feine Erschei­nung. Er seufzte laut über diese erstaunliche Veränderung derZeiten. WaS für Uippigkeit, was für Stolz und Hochmuth muß unter deinem Volk­herrschen, rief er aus! So verschwenderisch, so thöricht waren doch dieLeu- ,te zu meiner Zeit nicht. Wir wußten das Geld besser zu Rathe zu hal­ten. Wir brauchten es blos zur Nothdurst, und Wohlthätigkeik, aber nicht zur Pracht. Wir trugen unser Gold und Silber in den Taschen, und nicht auf den Kleidern. Hier unterbrach ich ihn, weil es mich ver­droß, daß er sich erkühnte, von den Sitten meiner Landsleute ein so wi­dersinniges und kindisches Urtheil zu feilten. Ich suchte ihn aus allen Kräften zu beweisen, daß unsre Zeiten viel klüger und gescheider wären, als diejenige, worin er gelebt hätte. Ich fragte ihn auf eine fast Höni­sch e Art: ob sie wohl glücklicher und vergnügter bey ihrer Sparsamkeit ge­wesen wären, als wir, bey unsrer Verschwendung? Statt, daß ihr zu Fuß fpatzieren gienget, so miethcn wir uns jetzt, mit ungleich grösserem Verstand, Carossen und fahren. Wir halten uns Lackeyen die Men­ge, und wenn wir ihnen auch schon den Sold müssen schuldig bleiben. Fällt uns etwas auf die Erde; so schonen wir unfern Rücken und lassen von dem Lackey aufheben. Wenn ihr Gastmale anstelltet; so wäret ihr fo einfältig und grob, euren Gästen nur drey, und wenn es recht herrlich seyn sollte, vier Gerichte vorzustellen. Unsre Magen denken viel solider. Wir müssen wenigstens von acht bis zehen Speissen essen, wenn unser Appetit befriedigt werden soll. Alles muß bei uns im Ueberfluß seyn, wenn» auch schon der größte Theil dazu geborgt werden sollte. Ihr trankt Wasser, Bier und Brandwein bey Tisch, und wenn es hoch kam, Rhein­wein. Wir sind damit noch lange nicht zufrieden. Wir würden es für ein sehr mageres Gastmahl ansehen, wenn man nicht Weine aus entfern­ten Ländern auf die Tafel kommen liefe. Wir sind so höflich gegen unsre Gäste und ersaufen sie in Ungarischen, Französischen, Italienischen und Spanischen Getränken. Und was habt ihr mit euren schlechten Kleidern gewonnen? Die vornehmsten und reichsten unter euch sahen vielleicht Bet­telleuten ähnlich. Handeln dann nicht unsre Reichen und Vornehmen weit vernünftiger, daß sie dieser Aehnlichkeit durch glänzendere Kleider abzuhel- fcn suchen? Ihr trüget das Gold in der Tasche. DaS war Dummheit, 3 i * weil