Ausgabe 
17.11.1767
 
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Md Nachrichten. Z67

wissen, daß viele tausend Leute, die eben nicht gerade kumm sind, sondern sie elbst vielleicht an Verstand und Einsichten weit übertreffen, denselbt- gen Bevfall geben. Wem sie die Leute auch nicht mit FleiS beleidigen wollen; so geben sie sich doch wenigstens Mühe, der Welt ihre schlechte Lebensart vor Augen zu legen. Wer bey einem Spiele fiucht, der belei­digt alle Personen, die mit spielen: wer über die Religion spottet, der be­leidigt alle diejenige welche derselben zugethan sind. Man kann von Reli­gionssachen reden; aber man muß gesetzt, ernsthaft, ohne Bitterkeit und mit Höflichkeit und Bescheidenheit davon reden. Alsdann finden sich auch Leute, welche eben so antworten; und dieses verdient die Wichtigkeit der Sache. Eine flüchtige Untersuchung ist hier noch-licht einmal hinreichend, geschweige denn ein bloser Spott, der oft sehr abgenutzt, oft auch im An­fänge nicht einmal witzig gewesen ist, und wenn er es wäre, was benimt er der Wahrheit der Sache? Wenn jemand der inö Wasser gefallen ist, um Hülfe schreiet und ich am Ufer stehe, so könnte ich allenfals über die Gebahrden und das Geschrey eines Menschen, der im Begriff ist zu er­trinken, spotten, oder doch daraus Gelegenheit nehmen, die Sache pos­sierlich vorzuflellen: was würde aber die Welt von einem solchen Menschen denken ? Gewis nichts weniger, als daß er entweder in einem sehr hohen Grade närrisch oder boshaft wäre.

Warum ist Polydor fromm? weil er gelesen hat, daß denen, die nach dem Reiche Gottes trachten, alles was sie bedürfen, zufallen soll. Er aber bedarf viel: Und nach dem Maase, daß seine Bedürfnisse steigen, steigt auch seine Frömmigkeit. Bey dem allen haben sich seine schlechte Um­stande bisher noch nicht gebessert. Da er dieses ansangt einzusehen ; so sinkt seine Frömmigkeit nach und nach, gleich einem Gebäude, das auf einem allzu seichten Grund ruhet.

Geschichte und Erfahrung zeigen, daß fast ave Künste durch Ar- much und Mangel erfunden ooer zur Vollkommenheit gebracht worden sind, daß der Mangel daS Band der menschlichen Gesellschaft ist, ohne welches sie nicht bestehen kann, daß man ohne denselbigen wenig brauchbare Leute haben würde, und daß demselbigen oft die größten Thaten ihren Ursprung und die berühmtesten Männer ihre Gröse zu danken haben. Dieses wa- hinlänglicher Stoff zu einer Lobrede aufdie Vortreflichkeit des Mangels;

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