Ausgabe 
17.11.1767
 
Einzelbild herunterladen

A66 (SitftRbe w§chettt!ich- sewekrtttützige Attzetzett

Ihr wollt mit dem Almdor umgehen? das könnt ihr. Aber hütet euch, daß ihr zu keiner Zeit kommt, wo er sich eurentw-gen in die gering­ste Unkosten setzen muß, so könnt ihr ewig gute Freunde bleiben. Und waS haltet ihr von dem Selim or? Er ist sich niemals gleich, alle Augenblicke andrer Gesinnung und die Unbeständigkeit selbst. Er hat keinen eigentlichen und bestimmten Charakter. Ist er weniger, als ein Narr?

Ein Mensch, der in Gesellschaft gegen einen andern, den er noch Nicht hinlänglich kennt, dessen Betragen ihm aber gefallt, sein ganzes Herz auHchüttet, ein solcher Mensch kommt mir wie ein Frauenzimmer vor, das mit seinem Geliebten alleine ist, seinen ersten Schmcicheleyen undFrcy- heittn, die er sich herauSnimmt, nicht gleich anfänglich widerstehet, und , Ach und nach durch seine Liebkosungen dahingeriffen wird und überwunden ist, ehe sie auf Gegenwehr gedacht hat. Hütet euch in dem Umgang am meisten für euch selbst und eurer eignen Offenherzigkeit. Es wird niemand mehr durch falsche Freunde betrogen, als wer von Natur ein aufrichtiges und redliches Gemüth hat: So wie ein unschuldiges Frauenzimmer weit lerchter hintergangen wird, als eine Buhlerin.

Ich muß mich oft wundern, wie es möglich ist, daß Leute, welche Lebensart besitzen wollen, in Gesellschaften über die Religion spotten kön­nen. Hält man es nicht schon für eine Grobheit, wenn man Sachen, von denen man weis, daß sie andern angenehm sind, in ihrer Gegenwart tadelt? Wenn ein Frauenzimmer eine gewisse Kleidertracht gelobt hat, oder wohl selbst trägt; so hält sich ein junger Herr, wenn er sich nicht verhaßt machen will, sm verbunden, dieselbige wo nicht gerade zu loden, doch we­nigstens nicht mit allerley Spöttereyen lächerlich zu machen. Weis man, daß eine abwesende Person ein Freund oder wohl gar ein Anverwandter von einer gegenwärtigen Person ist; so wird sich ein jeder, der klug seyn und niemand mit Vorsatz beleidigen will, in acht nehmen , nichts nach- theiliges von derselben vorzubringen. Kurz ein jeder wohlbelebter Mensch Hüter sich in Gesellschaften, das Gespräch auf Sachen zu lenken, von de­nen er auch wahrscheinlicher Weise vermuthen kann, daß sie andern ver- drüslich seyn möchten. Und doch giebt es unbesonnene Leute gnug, die ein paar Spöttereyen gegen die Religion hier und da aufgeschnappe haben, ohne die Antworten, die man schon tausendmal darauf gegeben hat, gelesen zu haben, Wd die sich unterstehen über Sachen zu spotten, von denen sie wiffen,