86 Giesische wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen
es Absichten hat. Ich muß es gestehen, daß ich ihm, von seinen Reihungen entzückt, einige Herrschaft über mich eingeräumt habe. Aber das loje Mädgen macht sich meine Unterthänigkeit auf eine greuliche Art zu Nutz. Sie maßt sich schon mehr Herrschaft über mich an, als meine Frau Nachbarin kaum in den zehn Jahren ihres Ehestands über ihren Mann hat bekommen können. Doch wenn ich ihre Fesseln insgeheim trüge: so wollte ich noch gerne dazu stillschweigen und mein Kreuz geduttig tragen. Aber denken Sie nur öffentlich und bey allen Leuten schreibt sie mir schon Befehle vor. Sie können sich leicht vorstellen, wie mir vor einigen Tagen muß zu Muth gewesen seyn. Ich befand m-ch mit ihr-in einer zahlreichen Gesellschaft, wo einige Herrn mit Erlaubnis der anwesenden Frauenzimmern Taback rauchten. Mein Freund, bey dem wir zum Besuch waren und der meine gross Neigung zum Tabacksrauchen kennt, offerirte mir ebenfals eine Pfeife. Das war ihr schon mcht recht. Sie stieß mich einigemal an und gab mir ziemlich nachdrücklich zu verstehen, daß ich nicht rauchen sollte. Ich wollte meine angenommene Pfeife aus Gefälligkeit niederlegen. Mein Freund wurde es gewahr und ersuchte mich aufs neue den übrigen Herren Compagnie, zu machen. Ich. entschloß mich dazu. Aber kaum hatte ich die Pfeife in dem Mund, als sie schon mit lauter Stimme schrie: ich sollte nicht rauchen, ich sollte absolut nicht rauchen, die Pfeife und meine Zähne wären sonst in der größten Gefahr. Dieses unzeitige Commando verdroß mich so gewaltig, daß ich mich resolvirte, die männliche Autori- eäe zu souteniren, und fort zu rauchen, es möchte auch gehen, wie es wollte. Aber ach! ich hatte kaum einige Züge gethan, so lag meine Pfeife schon auf der Erde und es fehlte nicht viel, so hätten die zween Zähne, womit ich sie hielte, wirklich dabey Noch gelitten. Kurz, die Sache kam so weit, daß sich einige von der Gesellschaft zwischen uns setzen mußten, damit ich für ferneren Anfällen sicher wäre.
Nun aber muß ich ihnen noch im Vertrauen sagen, daß ich meine gegenwärtige herrschsüchtige Geliebte als eine gerechte Züchtigung des Himels, ansehe. Denn ich hatte ehedem auf meinen Reisen einen sehr genauen Umgang mit einem Mädgen in einer gewissen Vergstadt in Sachsen, und diesem ganz auserordentlich schönen, artigen und gefälligen Mädgen, dasaus Liebe zu mir so gar das Tabacksrauchen lernte, diesem allerliebsten Kinde bin ich untreu geworden. Konnte meine Untreue wohl auf eine empfindlichere Art gestraft werden ?
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