Ausgabe 
14.7.1767
 
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sonen festgesetzt ist, giebt derjenigen die auf Betrug sinnt, die bequemste Mittel an Hand, ihre böse Absichten auszuftchren, und die Tugend in ih­ren Schwachheiten, von welchen sie in diesem Leben niemal,gantz ftey ist, kahinzuttiffen. Und wofür hat man nöthig sich mit Fleis m Gefahr zu be- geben? DreseS ist nicht zu besorgen, wenn beyde Personen in Ansehung - chrer Grundsätze und Pflichten edel genug gesinnt sind. Die Gelegenhei­ten zu sündigen werden sich gar selten bey ihnen errignen, weil sie derglei-' chen nicht suchen oder selbst machen, wie etwa Buhler oder Buhlerinnen zu thun pflegen: und sollten sie sich von selbst anbieten, so wird ihr recht­schaffnes Gemüth stchs nicht einmal einfallen lassen , dieselbige zu bemer­ken. Und da nach dem oben festgesetzten Fall wenigstens eine dritte Per­son an der Vertraulichkeit einen gleich starcken Antheil hat, so werden auch diese nämliche Gelegenheiten selten genug seyn. Der Mann wird mit seiner Freundin, und die Frau mit ihrem Freund unter tausend Fällen kaum ein rintzigesmahl allein seyn, und man wüste es in der Unverschämtheit und Bos­heit schon auf einen sehr hohen Grad gebracht haben, wenn man sich einer solchen Gelegenheit so gleich bey dem ersten Augenblick bedienen könnte, welches jedoch andre äusserliche Umstände und Hindernisse fast immer un­möglich machen werden. Dieses setze-ich nur für diejenige hinzu, welche meine gantze Vorstellung mit dem eintzigen Sprüchwort, Gelegenheit macht Diebe, zu Boden zu schlagen gedencken. Personen welche niederträchtig genug sind, sich in ein verbotnes Liebesverständniß mit einander einzulassen, werden Gelegenheit genug finden, und noch mehr machen. Tugendhafte Gemüther werden bey aller Zärtlichkeit ihrer Freundschaft, (denn diese hat auch ihre Zärtlichkeit, bieder Liebe sehr ähnlich ist, ob sie gleich noch nicht selbst Liebe ist, wovon Leute von groben Begriffen freylich. nicht urtheilen können, ) dergleichen Gelegenheiten nicht einmahl gewahr werden.

Sollte nun dieses herrschende Vvrurtheil einigermassen aus der Mo­de gebracht werden können; so würden die Freundschaften nicht nur häufiger, sondern auch mit weit mehrerer Anmuth verknüpft seyn, wovon der Un­terschied des Geschlechts, und die daher entspringende Verschiedenheit der Gemüther einen grosen Antheil halsen würde. Jenes werden wohl alle- redlichgeflnnte Leute mit mir wünschen, und es wäre billig auf alle nur mögliche Mittel zu dencken, wodurch wahre Freundschaften, über deren Sel- renheit man noch immer genug zu klagen hat, vermehrt werden könnten. Unter Personen einerley Geschlechts finden sich sehr viele Hindernisse der Freundschaft, die wegfallen würden, wenn Mannspersonen und Frauen­zimmer