Ausgabe 
13.1.1767
 
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Oecsnonn'sche Vtaä)rid)t. \

Erfahrung/ die Mästung mit Kastanien betreffend. Nachdem ich im vrrwichen-en ^Frühjahre mit zwey allhier auf demHochadl. Gute befindlichen, ganz schlechten und eigentlich dazu ausgesuchten milchen­den Kühen, den Versuch gemacht, ob durch die Fütterung mit wilden Kastanien selbige gebessert, und ihnen mehrere Milch zuwege gebracht wer­den könte, und befunden, daß diese Fütterung den angepriesenen Nutzen würcklich verschaffe, indem beregte Kühe in kurzer Zeit sich nicht allein merklich gebessert, sondern auch mehrere Milch gegeben, welche noch dazu von solcher Güte, daß man davon über die Hälfte mehr Butter, wie sonst erhalten, auch weder Butter noch Milch, nicht den geringsten Ge­schmack davon bekommen: so entschloß ich mich, auch den zweyten Versuch, nemlich die Mästung eines Stück Hornviehes mit Kastanien, diesen Herbst anzustellen. Ich ließ daher alle in hiesigem Garten dieses Jahr gewachse­ne Kastanien sorgfältig aufsuchen, und brachte davon an die u Himten zusammen. '

Ich wählte zum Mästen ein 2' jährig Rind, wovon man keine Hofnung hatte, daß es Milchend werden würde; solches wurde den ztm Octobr. aufgestallet, man gab solchem zuerst Garbenheckerling, und auf jedes Futter 2 Hände voll klein gestossene Kastanien mit etwas Gersten­schrot vermischet: den Heckerling fraß es auf, ließ aber die Kastanien un- berührtin der Krippe, dieß continuirte bis in den vierten Tag, da ich denn selbst ein Futter mengte, und Ordre gab, daß man dem Rinde nichts eher wieder geben solte, bis es zuvor dieß Futter gefressen; in 24 Stunden hatte selbiges die Kastanien noch nicht verehret, der Hunger aber trieb stlbiges zuletzt an, daß es die Kastanien rein ausfraß. Von dieser Zeit an suchte selbiges allemal, so bald als ein Futter eingegcben worden, die Kastanien zuerst heraus, und fraß solche begierig , daher man weiter kein Gerstenschrot mehr unter das Futter mengte, sondern solchem Heckerling und Kastanien gab. Nachdem nun solches auf diese Art « Wochen ge­mästet worden, und in währender Zeit 12 Hüllten Kastanien aufgeftessen, ward solches den ryten Nov. geschlachtet, da sich denn gefunden, daß die Mästung mit Kastanien nicht allein möglich, sondern ganz besonders vor- theilhast, indem das Fleisch dieses jungen Rindes ganz mit Fett durch­wachsen, auch selbiges so schön ausgefallen, als man nur immer wünschen mögen z wobey anjumerken, daß da iunge Rinder gewöhnlich wenig oder

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