Ausgabe 
11.8.1767
 
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EntzückunM noch nicht erfahren hat, womit die Betrachtung der Hers» vchkeiten der Schöpfung eine menschliche Seele erfüllen kann; sm emm ßolchen Menschen muß das Landleben allerdings sehr wenig Reizungen ha­ben» er muß die größte Quaal und die verdrüslichste Langeweile empfinden, er muß gähnen und unzufrieden seyn, wenn er nur eine Stunde auf dem ruhigen Lande leben soll. Allein ein Mensch der nur gewohnt ist, sich nach vollbrachten Berufsgeschäften auf eine vernünftige und erlaubte Weise zu ergötzen, der sich seiner Rechtschafftnheit bewusst ist und mit der größten Sorgfalt seine Pflichten zu erfüllen strebet, der nicht gern eine Stunde un­gebraucht hingchen laßt, der überzeugt ist, daß er in der Welt lebt, um seinen Schöpfer zu verherrlichen und sich und seinen Nächsten glücklich zu machen, der ungleich reinere Freuden kennt, als ihm das lärmende Ge­tümmel und die vergifteten Ergötzlichkeiten der Welt gewähren können; ein solcher Mensch hält das Landleben für seine größte Glückseeligkeit und für die liebste Belohnung seiner Rechtschaffenheit. Die Stille desselben ist für ihn die lauteste Aufnnmterung zu den heiligsten Entschliesungen, und diese kann er desto sichrer ausführen , je weniger er daran durch alles- ley verdrüsliche Besuche und unangenehme Zerstreuungen verhindert wird. Weder Neid noch Verfolgung verbittern ihm sein einsames Leben, und von tausenderley Versuchungen zu Ausschweifungen und Thorheiten, de­nen man in den Stödten so sehr ausgesetzt ist, erfährt er nicht einmal etwas. Er nimmt sich weit mehr in acht, eine strafbare Handlung zu begehen, weit er wenn ich so sagen darf, befürchtet, die erschreckliche Gestalt des Lasters möchte ihm in seiner Einsamkeit erscheinen, und ihm dieselbige unaussteh­lich machen, Kurz , er findet hier ungleich mehr Gelegenheit, sich selbst zw leben und zu geniesen, als in der Stadt, nwuns bald dieser, bald jener Umstand den Genuß unsrer selbst verwehret.

Die meiste Zeit, die ich mich bereits bey meinem Freunde aufgehal» ten habe, haben wir mit der Betrachtung der entzückenden Natur zuge» bracht. Wir haben die Güte und Weisheit des Schöpfers in Gärten, aus Wiesen und Aeckern bewundert und seine Allmacht haben wir in jedes noch so kleinen Blume mit einer demüthigen Bewunderung wahrgenom- men. Doch es hat uns beynahe nichts so sehr gerührt und in Erstaunen gesetzt, als die Bettachtung einer Lilie unter einem Vergröserungs Glas. Ich bin nicht im Stande, die Schönheit dieser Blume zu schildern, weit vielleicht in der ganzen Natur nichts zu finden ist, das mit ihrer Pracht verglichen zu werden verdientt. Kurz, wir wurden über den An­blick