Ausgabe 
7.4.1767
 
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vnd ^lachrrchtett. 109

kurz gesellig zu seyn, und es überhaupt zu einer frühen Ordnung der See­len gewöhnen.

Kinder ahmen gerne nach und haben wie ich schon oft gemerckt frühe eine Neigung zum schreiben oder mahlen; ich werde ihm aber auch dieses spielend zur Pflicht machen - ihn etwan vorschlagen an seinen Vater zu schreiben; und ob es zwar nur noch unwissend die Feder auf dem Papier hin und her ziehet; so kann ich doch dem auf mein Vorsagen ausmercksamen Kind, bald etwas von dem schuldigen Gehorsam der Kinder einfiößen; bald auch durch dergleichen Uebungen es zu einer natürlichen Denckungs- art lencken. Fangt hernachmahlen die Hand meiner Doris an sicherer und sie selbst gedultiger zu werden; so wird es auch Zeit seyn sie zu ordentlichen Zügen zu gewöhnen und sie endlich nach dem Maaß und Steigen ihrer Kräfte mit den Zahlen und ihrem Gebrauch bekandter zu machen. Und so wird/ meine Liebe/ wieder ohngefehr ein Period meines kleinen Lieb­lings zum Ende gehen/ und der folgende mich zu mehrerm Ernst auffodern. Es versteht sich/ daß Doris nun auch schon ordentlich (nicht singend) le­sen kann; der kleinen Arbeiten junger Frauenzimmer nicht zu gedencken - überhaupt meine Freundin/ muß bey unserer Erziehung der Fleiß ein Haupt- Grundsatz bleiben. Meine Doris muß so gerne arbeiten als sich vergnüg gen lernen.

Jetzt/ meine Cloris, wird es Zeit seyn unsere Doris - unsere nun vielleicht schon rr. Jährige Schülerin ordentlich zu unterrichten. Die Begriffe welche nunmehro aufgeklärter sind/ können nun auch schon mehre­ren Ernst vertragen: Doris muß jetzt vernünftige und nützliche Bücher ha­ben und zu Lesung der Bibel/ besonders aber zu der Geschichte JEsu als der reinsten Siktenlehre aufgemuntert werden. Ich sage mit Vorbedacht aufgermurtert; kein Zwang darf hier und überhaupt bey allen Mitteln, den Geist zu bilden gebraucht werden ; dieweilen das liebenswütdige des Guten nur dadurch verdächtig gemacht wird und überhaupt die Strenge nur eine Gewohnheit/ selten aber Ueberzeugung hervorbringt. Die Lehren von der Religion müssen nunmehro besonders unserer Doris ordentlich, bündig und einnehmend vorgetragen werden und es ist gar nicht zu früh, sie von nun an schon an den treuen Unterricht eines rechtschaffenen Geist­lichen Theil nehmen zu lassen. Die Sittenlehre mit welcher sie bis daher schon spielend bekandt worden; muß nunmehro ein Hauptgegenstand wer­den die junge Seele mit Ernst und Verlangen darnach zu bilden. Es feh­let unfern Zeiten und unferer Muttersprache gar nicht an Schriften sie mit

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