18 Messische wZchentlrcb- Zcmeittttützrge Auzetzen
ich zehn Materien vergeblch auf die Bahn gebracht habe, nicht einmal em Gespräch von Zeitungsangelegenheiten aushalten kann? Und von der Do- rinde, die nicht einmal von den allgemeinsten Stucken der Haushaltung, wenigstens mit andern Frauenzimmern reden kann?
Wenn das Stillschweigen aus einer blosen Blödigkeit herrührt, und die übrigen guten Eigenschaften sonst vorhanden sind, so ist dieser Fehler leicht zu verbessern. Ein öfterer Umgang mit verständigen und gesitteten Leuten ist hierzu das beste, aber auch eintzige Mittel.
Viele düncken sich besonders klug zu ftyn wenn sie wenig reden. Hieher gehören die Geheim'nißvolle und Argwöhnische, welche aus den al- lergleichgultigsten Sachen, die die ganze Welt weis, eine Heimlichkeit machen, oder sich so gleich zu verreden fürchten, wenn sie ein paar Worte zu dem Gespräch mit betragen sollen Ich frage den Bisbiü was für Wetter draujen sey. Er sieht mich mit einer lächelnden und vielsagcnwol- lenden Mine an, zuckt die Achseln und sagt gar nichts. Bisbill hat von Jugend auf der Gnade anderer Leute leben müssen, und ist dadurch an die Verschwiegenheit gewöhnt worden. Er hat aber nicht Verstand genug die Fälle zu unterscheiden, und schweigt wo es gar nicht nöthig ist.
Clarine ist im Gegentheil zu stoltz mit zu reden. Führt sie in Gesellschaften von lauter vornehmen Leuten, so wird ihr das Mäulgen aufgehen. Zum Unglück aber kommt sie selten dabin: und uns kleine Geister würdiget sie nicht, sich mit uns einzulaffen. Sie ist also wider die Natur ihres Geschlechts die meiste Zeit über gantz stumm.
Strephon, so ein groser Plauderer er ist, so wenig kann er es vertragen, wenn von andern Leuten gutes geredet wird. Wollt ihr ihn stumm haben, so fangt nur an, verdienstvolle Personen zu loben. Den Augenblick sitzt er da als wenn ihm jemand auf den Mund geschlagen hätte. Hertz- haftigkeit hat er nicht zu widersprechen, und mit zu reden, und Beyfall zu geben, ist er zu boshast.
Es ist eine Klugheit zu schweigen, wenn man von Sachen, denen man nicht gewachsen ist, lieber gar nicht mit redet, als daß man seine Unwissenheit an den Tag legt. Aber diese Kunst ist sehr selten. Je weniger die Leute verstehn, je mehr wollen sie reden, da doch ein Narr wenn er schwiege, auch für Weise gehalten würde. Die Kunst ist aber noch grö- ser wenn man eine Fertigkeit besitzt, sich in der Geschwindigkeit durch das Gespräch andrer einigen Begriff von der sonst unbekanten Sache zu machen, und alsdenn mitzureden, oder wenigstens solche allgemeine Ausdrücke bey der Hand hat, wodurch der andre veranlaßt wird, zu glauben, daß wir
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