Ausgabe 
30.9.1766
 
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- Giesrsthe wöchentlich* gemeinnützige Anzeigen

wird bey der östern Betrachtung seines Todes eben die heiligen Entschlie- sungen fassen, die der klügste und weiseste Mensch fasset, wenn er an seinen Tod oft denket. Wenn man sich von Zeit zu Zeit erinnert, daß man viel- leicht nicht mehr als nur noch einige Tage oder einige Augenblicke zu leben habe ; so ist es fast nicht möglich, daß man nicht in sich selbst zurückkehren Md sich alle Mühe geben sollte, die Rolle des Ledens auf eine dem Chri- sten anständige Art zu endigen. Es ist aber auch unumgänglich nörhig, daß ern Christ diese Art von Philosophie erlerne, wenn er es anderst mit sich selbst gut meint, und nicht dereinst ewig seine Thorheiten bereuen will. Denn setzt mein Freund hinzu, ein Mensch, der jeden Gedanken des To­des unterdrücket und alles, was ihn nur an denselben erinnern kann, wie das schädlichste Gift fliehet, vergißt seine eigentliche Bestimmung, weil er von den Eitelkeiten der Welt trunken ist, erwacht erst aus seiner Trunken­heit, wenn sich die Pforten der Ewigkeit vor ihm aufthun, sieht den Tod, der ihm noch ganz unbekannt ist und entsetzt sich für ihm. -O gewis, ant­wortete ich, das muß der allerbejammernswürdigste Zustand seyn, wenn man keine Rettung mehr vor sich sieht, wenn man sterben soll und man hat noch nicht sterben gelernt. Lassen Sie uns, mein Liebster, nie den lehrreichen Gedanken, daß wir dereinst sterben müssen , vergessen. Jäitt auf den Gräbern, auf diesen stillen Gefilden, wo so viele Todten Got- res bis zum Tage der Garben ruhig schlummern, hier wollen wir den lehr­reichen Gedanken, daß wirdereinst auch zur Auferstehung sollen gesättwer- den, oft denken. Hier aus dieser Asche, wollen wir lernen, daß wir Staub und zur Demuth berufen sind. Wäre es wohl möglich daß noch so viele Wrenschen hochmuthig und stoltz auf ihre vergängliche Vorzüge bleiben kön- ten, wenn sie öfter an ihren Tod und an ihre künftige Verwesung dächten? Die Betrachtung unsres Todes sey immer unsre Lieblings-Beschäftigung Sie wird uns von allen Thorheiten mächtig zurückhalten, für allen Eitel­keiten und nichtigen Freuden der Welt in uns einen Eckel erwecken und uns ein Leben fuhren lehren, das sich für einen Christen und für die Ewia- keit, in die er eingehen soll , schickt. Sie ist der stärkste Zaum, womit 'wir unsre wilden Leidenschaften bändigen können, sie ist die vortreflichfte Arzney für alle Arten von Lastern und der mächtigste Schutz wider alle Ver­suchungen. Deswegen haben auch so viele christliche Philosophen gesagt- das große Gchermmo/wohl zu sterben, sey, daß manwohl ebe^ rtb L ^ »ewegunaegrun», «»hi zu leben, fcy Otr G-van.

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