244 Giesische wöchentlich -- gemeinnützige Anzeigen
men. Er wird sehen, wie der eine die unedelsten und niederträchtigsten Absichten durch unerlaubte und schändliche Mittel zu erhalten sucht und wie der andre nur in die menschliche-Gesellschaft gemischt zu seyn scheint, damit er alle seine Kräfte anwende, sie völlig umzustoßen und jederman neben sich unglücklich zu machen. Diese häßliche und abscheuliche Gestalt, worin er so viele seiner Nebenmenschen erblickt, wird ihn sehr kränken und ihm vielmitleidensvolle Zähren ablocken.
Allein wenn der Menschenfreund dagegen auf. der andern Seite Geschöpfe von seiner Art findet, deren Herz voll Sanftmuth,»voll Güte und Erbarmung ist, das voll edler und grosmüthiger Absichten, allenthalben wohlzuthun und jedem Kummer seines Nächsten abzuhelfen trachtet, das jede Noch desselben als seine eigne anfieht und gern eine ganze Welt glücklich machte, wenn es in seinem Vermögen stünde; wenn er solche Geschöpfe von seiner Art findet, dann erhebt sich.seine Seele wieder, dann freuet er sich seiner grosen Würde, dann geräth er in einen angenehmen Zweifel, ob diese wirklich noch zu der Gattung jener Geschöpfe können gerechnet werden. Wenn er an jenen sähe, daß einer des andern Teufel war; so sicht er an diesen, daß einer des andern G-Ott zu styrr sich bestrebt. Wenn ihn jene in Furcht und Schrecken setzten und'ihn schamroth über die Verdorbenheit seines eignen Geschlechts machten; so erfüllt ihn der Anblick der andern wieder mit Entzücken und einem freudenvollen Gefühle der vortrefiichkeit seiner Natur.
Diese Betrachtung nun, diese Vergleichung und Zusammenhaltung des guten und schlimmem Theils dös menschlichen Geschlechts ist jederzeit mit dem schönsten Nutzen verbunden. Denn so.wie der eine einen unauslöschlichen Abscheu für der Häßlichkeit deö Lasters und eines boshaften Ge- müths in uns wirket, so macht derandreunsre Entschliesungen, die Absichten unsers Daftyns bey allen unfern Handlungen vor Augen zu haben immer fester und unüberwindlicher.
Wenn ein Mensch nur halb so edel gesinnt ist, als er es nach der Vorschrift der VerNunft und Religion seyn soll, so muß seine Seele immer ein wahres Vergnügen empfinden, so oft er eine grose und edle That hört oder sieht. Ja man hat mit Recht anzsemerkt, daß wir dieses Vergnügen sogar bey dergleichen Handlungen empfinden, wenn wir gleich nicht den geringsten Antheil daran haben und nicht einmal mit den Personen, die sie vernicl-tet, in einiger Verbindung stehen. Der Rechtschafnc freuet sich über eine jede rechtschafve Handlung eines andern / sie mag jn einem andern
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