wöchentlich-

Dienstags den i9ten Inlii 176S.

Mit Hochfüestl. Hessen,Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

Homines ad Deos nulla re propius accedunt, quam falutem hominibus dando. Cicero.

MNs ist ein- sehr nützlich-Beschäftigung, wenn man die verschiedenen

Gemüthsarten der Menschen mit einander vergleichet und den er- tesy staunlichen Adstand betrachtet, wie weit ost ein Mensch von dem andern an Güte des Herzens entfernt ist. Der Menschenfreund, der es sich «u einer heiligen Pflicht gemacht hat, nicht blos für sich, sondern auch zum Miücke seines Nebenmenschen zu leben, wird zwar diese Betrachtung selten anstelle« , ohne in eine Art von unaussprechlicher W-hmuth zu gerathen. ^denn er wird fast allenthalben Geschöpf- von seiner Natur finden, die von den wildesten und grausamsten Thieren nur der Gestalt nach unterschieden sind, die von der Heftigkeit ihrer Leidenschaften hingerissen und schwanger von den boshaftesten Absichten sich einander den Tod schwören und vorsetz- stch mit einem Dolche das Herz durchbohren. Er wird wahrnchmen-, daß -in Bruder den andern v-rräth, daß ein Freund den andern stürzt, daß «m Gatte dem andern flucht, ihm untreu wird, oder ihn Mit Fußen tritt, daß -in Mater sein Kind wie einen Hund auferzieht und daß Kinder ihren Mater verleugnen. - Er wird Menschen sehen, die das Geld so lieb haben,. baß sie lieber selbst Hungers sterben , als eurem Dürftigen damit zu Hulfe^a-