H4t Giesifche wöchentlich 4 gemeinnätztze Anzeigen

nicht eher Zeit zu tanzen und sich zu vergnügen, als auf Sonntage und Feyer- tage. - Dies ist die Sprache Demjenigen, Die um einer kurzen Freude willen Tugend und Religion hingeben. Allein ich glaube nicht, daß ein Mensch, der gegen Die Verordnungen unD Gesetze Der Kirche und Der Obrigkeit gleichgültig ist , ein wahrer Christ seyn kann. Und muß man dann gerade tanzen , wenn man sich vergnügen will? Es gibt ja noch an­dre Freuden, Die selbst am Sonntage einem Christen erlaubt sind. UnD überhaupt ist es ein böses Kennzeichen, wenn ein Mensch Die heiligsten Ge­setze übertritt, um seinen Neigungen nachleben zu können. Wenn man nur immer bedachte, was Uz sagt:

Nicht unser ganzes Herz muß am Vergnügen hangen, Zu einem höhern Zweck hat uns Die Welt empfangen.

Inzwischen würde es doch nach einer allzu strengen Moral schmecken, wenn man das Tanzen ganz verwerfen wollte. Ich halte es für ein ganz erlaubtes und unschuldiges Vergnügen, das unfern Lebensgeistern zur grö­len Erfrischung, unserm Körper zur wahren Gesundheit gereichen und sehr wohl mit einem tugendhaften und christlichen Herzen bestehen kann. Ich setze aber einige Regeln voraus, Die man dabey beobachten muß. Man muß nicht allzu lang unD allzu viel tanzen, man muß mit guten Freunden tanzen, Die uns zu keinen Thorheiten verleiten unD Die alle Ausschweifun­gen verabscheuen/ man muß zu keiner Zeit tanzen, worin man wichtige Pflichten versäumt. So müssen unsre Tänze beschaffen seyn, wenn Ver­nunft und Religion sie nicht tadeln sollen.

Wenn ich auch zum Beweis, daß das Tanzen eine sehr unschuldige Handlung seyn kann, das Beyspiel eines Davids und einer Judith nicht anführen könnte; so ist es doch von jeher von den größten Philosophen als eine sehr nützliche Leibesübung angesehen worden. Homer nennt es eine göttliche Kunst. Cicero rechnet es unter Die fünf beliebten Leibesübungen, die bey den Griechen üblich waren. Athenäus und Lucian erzählen, daß Socrates/ dieser größte unter allen Weltweisen, ein auserordentlicher Lieb­haber vom Tanzen gewesen sey, und daß er trotz feiner krummen Füsse oft soll getanzt haben. Der vortrefliche König Antiochus war ebenfals sehr für das tanzen eingenommen, und pindar nennt so gar in seinen Gedichten den Jupiter selbst einen Tänzer, rc. rc. Alle diese Beyspiel beweisen, daß das Tanzen an und für sich eine unschuldige und erlaubte Vergnügung seyn, und nur, wie alle andre irrdische Vergnügungen, durch den Misbrauch sundlich werden müsse.

Die Lorrsttzung folge nächstens. Da