54 Meststhe wöchentlich- gemeinnätzige Anzeigen
erlaubte, als einen Schluck Brandewein. Anderes Gesinde in meiner Nachbarschaft machte es gescheider. Es versorgte sich den Tag vorher mit einer hinlänglichen Portion, um sich damit auf den Fast-Tag hinter ihrer allzu strengen Herrschaft her, in einer Ecke wider alle anwandelnde Ohnmächten zu schützen. Verschiedene andre Leute, denen es überhaupt unmöglich zu seyn scheint, einen ganzen Tag zum Lob und Preise ihres Schöpfers anzuwenden, (und deren giebt es, leider! genug unter uns) giengen an diesem feyerlichen Tage zu einem guten Freunde, und liefen sich, weil sie nicht unter den Pöbel gehören wollten, der nach ihrer geringen Meinung nur allein zum Fasten und Beten verbunden wäre/von demsel- ber! mit einem Caffee oder einem Chocolate mitWeisBrodt oder mit einer ' Milchsuppe tractiren. Andre sannen schon vor acht Tagen sehr tiefsinnig daraus, was sie an diesem Tage essen und trinken würden. Einige sind
so gar in die Wirthshäuser gegangen, haben mehr gegessen und getrunken, ' als an andern Tagen, und verschwendeten diesen, der Mäßigkeit und Enthaltsamkeit gewidmeten Tag, durch Fressen und Saufen, um nur nicht unter den Pöbel gerechnet zu werden, als wenn sie von einem nüchternen Dienste Gottes ganz frei) wären. Noch eine andre Art legte sich um Mittags-Zeit zu Bette und schlief den halben Tag herum, um den Hunger nicht zu fühlen, und um nicht gezwungen zu werden, den Befehl deraänr- lichen Nüchternheit zu brechen. Ja ich habe so gar einige das Tabackrau- chen anruhmen Horen, als ein Mittel, unüberwindlichen Anfällen des Hungers vorzubeugen, und ich habe sie auch wirklich die ganze Zeit über, da ste
. nicht in der Kirche waren, nichts verrichten sehen, als daß sie mit der Pfeife im Munde herum giengen. Bey dem allen aber glauben diese Leute doch noch immer, daß sie GOtt durch ein solches Fasten einen wahren Dienst leisteten. Ich bm ganz andrer Meynung und halte ein solches Fasten für sehr unvernünftig und unsrer heiligen Religion schnür stracks zuwider ^ch bitte Sie daher, meine Herrn, dieses unser« LandsLeuten bekannt zu machen und ihnen einmal zu einer gelegenen Zeit zu sagen, wie sie eigentlich fasten muffen, wenn ihr fasten unserm GOtt angenehm, und nicht ein Greuel seyn soll, :jd) verharre mit besonderer Hochachtung rc.
, N. S. Weil man gewohnt ist, sich immer einige Tage vorher un* ter einander zu fragen: ob man Wittens sey, zu fasten, sein unstreitiger B-w-rs, daß das Fasten des größten Thests unsrer Landskeuke gezwungen ist); so bm ich vorige Woche auf den Einfall gerathen, ein Verzeichnis von Personen, di-fasten und nicht fasten, zu verferstgen, und durch die geringe


