rxs Giesische wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen
Ew. Majestät, daß das Verlangen zu regieren, sich noch keinen Augenblick in mir geregt, sondern daß ich mich glücklich genug schätze als der vornehmste Unterthan den übrigen Unterthanen gute Exempel des vollkommensten Gehorsams zu geben. Der König aber blieb bey seinem Entschlüsse, legte die Krone nieder, sprach seine Unterthanen vom Eyde der Treue gegen ihn los, ermahnte sie, seinen Sohn für ihren König anzunehmen und ihm so getreu zu seyn, wie sie dem Vater treu gewesen wären, und reifete hierauf mit der Marquisin von St. Sebastian, mit welcher er sich nach dem Tode seiner ersten Gemahlin vermählt hatte nach Chamberi. Kaum war er hier einen Monath gewesen, so reuete ihn sein Entschluß und er wollte die Krone wiedernehmen. Die Marquisin lag ihm auch deswegen beständig an. ' Victor wendete sich an die Dfficiere der Armee, die ihm ihre Beförderung zu danken hatten und schrieb besonders an den Feldmarschall Von Rebinder fo schmeichelhaft und auf eine solche Art, daß er einen weniger rechtschafnen Mann gewis zur Untreue würde verleitet haben. Re- binder war unbeweglich. Er antwortete voller Ehrerbietung, aber auch mit der Freymüthigkeit eines Mannes, der keinen andern Vortheil kennet, als welcher seinen Pflichten bestehen kann.,, Ew. Majestät, schrieb er, „ haben mich allem zu dem gemacht, was ich bin, und ich habe deswegen „ gegen den König, ihren Sohn keine, gegen Ew. Majestät aber alle „ Verbindlichkeit. Doch unter allen diesen Wohlthaten schätze ich keine so „ hoch, als die gute Meynung, womit Sie mich beehrt haben. Ew. „ Majestät erlauben, daß ich ein Kleinod welches ich mit meinem Blute „ in ihren Diensten erworben, auch mit mir ins Grab nehmen Darf. Ich „ würde aber diese Ehre verlieren, wenn ich so unglücklich seyn , und die- „ fern Könige, welchen mir Ew. Majestät selbst gegeben haben, meineydig „ werden sollte. Nein, ich werde ihm eben so getreu seyn, als Ihnen, „ und mit meinem Blute ihn auf seinem Throne beschützen.,,
Dieser nachdruckvolle Brief war bey dem alten König ohne Kräfte. Er schrieb zum zweitenmale an Rebmdern, als ein Herr, der seinem Un- terthan befiehlt. Nun hielt es der General für seine Schuldigkeit, diese Briefe dem jungen Könige Lar! zu zeigen. Carl sagte: Was soll ich thun? es ist mein Vater, und erklärte sich in einem zusammen berufenen Staatsrathe: Ich verlasse mich auf eure Treue und unterwerfe mich übrigens der göttlichen Schickung. Alle Bemühungen, die der junge König anwandte , den alten Herrn auf andre Gedanken zu bringen, alle Versuche bey der Marquisin, alle Anerbietungen, daß er ihm eine ganze Pro- vinz


