rl4 Giesische wöchentliche gememnütztze Anzekgett
kein ander Mittel übrig , als sich gefangen zu geben, oder auf dem Platze zu bleiben. Sie beschlossen aber doch, sich so lange zu wehren, bis ihnen vielleicht jemand aus dem Lager zu Hülfe kommen würde. Der Herzog so wohl als der Herr von serbisch thaten Wunder der Tapferkeit. Dem Herzoge aber wurde das Pferd unter dem Leibe erschossen und er fiele zur Erde nieder. Nun war er in der allergrößten Gefahr, von den Türcken erschlagen oder gefangen zu werden. Ais dieß der Herr von Reibisch sähe, sprang er von seinem Pferde, umarmte den Herzog, bedeckte ihn mit seinem Leibe, und ließ auf sich hauen und siechen, bis endlich eine »Schwadron von ihren Reutern kam und den Herzog rettete. Der Herr von, Reibisch wurde von den dielen Wunden, die er bekommen, halb todt ins Lager getragen wo er bald darauf starb. Ein auserordentliches Beyspiel der Treue.' Man könnte von dem Herrn vom Reibisch mit mehrerem Rechte sagen, was Valerius Msximus von Cat-sagt: daß aus seinen Wunden mehr Ehre und Ruhm als Blut gestossen.
Ein andres Beyspiel davon. Schach Abas/ der Grosse, der in dem Anfänge des vorigen Jahrhunderts den Persischen Thron besaß, traff auf der Jagd einen jungen Hirten an, der auf seiner Flöte spielte. Der König ließ sich mit ihm in ein Gespräch ein und that verschiedene Fragen an chn, die der Schäfer sehr fertig und mit vielem Verstand beantwortete. Schach Abas war so zufrieden mit ihm, daß er ihn mit nach Hof nahm, ihn erziehen ließ, und da sich die Gaben seines Geistes alle sehr vortherlhaft entwickelten, ernannte ihn der Schach zu seinem Schatzmeister, und gab ihm den Namen Nlahomed Aly Beg. Er verwaltete sein Amt mit dem größten Fleiße und der größten Treue, sein Leben war ein Beyspiel, er war fteygedig, liebte die Fremdem, half den Armen wider die Reichen und ließ sich nie durch Geschenke blenden. Die Geschichtsschreiber sagen, daß er der einzige ehrliche Mann gewesen, den Persien seit etlichen Jahrhun- derten gehabt hätte. Ein jeder ehrlicher Mann hat Feinde, wie hätten die Hosteute am Hose des Schach Abas ihn nicht zu stürzen suchen sollen? Aber so lange Abas auf dem Throne saß, konnten sie keine Gelegenheit dazu bekommen. Nach dem Tode des Abas, da sein Sohn Schach Sepyr zur Regierung gekommen war, versuchten seine Feinde von neuem, chn zu stürzen. Der Schach bekam einmal Lust, die mit Brillanten besetzten Säbel, besonders einen, den sein Vater vom Türkischen Kayser zum Geschenk bekommen, zu sehen. Mah-med Aly Beg hatte diese Sachen m Verwahrung. Aber Schach Abas hatte schon die Steine heraus nehmen


