Ausgabe 
18.3.1766
 
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rr Gresische wöchentlich- Mmer'nnützlge Anzeigen

nicht kennen oder er muß Lauben, twf man keine grose Wahrheiten, keine lehrreichen Einsülle, sondern lauter unnütze Dinge, pöbelhafte Ausdrücke und ungeziemende und ärgerliche Zweydeutigkeiten in Rüthsel einkleiden kön­ne. Dies mögen wohl die vornehmsten Ursachen seyn,narum man sie aus den freundschaftlichen Versanr-nlungen verbannt hat, und sie nicht mehr als einen unschuldigeu Stoff zu einer angenehmen Unterhaltung dem­selben ansieht. ;

Es ist wahr, wenn man in einer gesitteten und Tugendliebenden Gesellschafft solche Rüthsel vorbringen wollte, wie man sie in den Spinn- Stuben höret, worin weder Witz und Scharfsinnigkeit, noch grose und lehrreiche Wahrheiten verborgen sind, die die Tugend- die Ehrbarkeit und die guten Sitten beleidigen, und meistenlheils von allzu bekannten oder un­nützen Dingen handeln; so würde man sich sehr schlecht empfelen, und die Auflösung solcher Rüthsel würde für einen vernünftigen Menschen die elen­deste und niederträchtigste Beschäfftigung seyn. Allein der Jnnhalt der Rüthsel kann auch wichtigseyn. Er kann aus den Werken der Schöpfung, aus der Geschichte, aus den Künsten und Wiffenschafften und dergleichen hergenommen werden. Und wenn man hieraus die Materie zu den Räth- seln wühlt; so können sie zu einem mannigfaltigen Nutzen und zu einem reinen und unverwerflichen Vergnügen in Gesellschaften dienen. Ich will meine Leser heute mit dem Nutzen und oen Eigenschaften eines guten , Räehjels unterhalten, wie ich sie jüngsthin in einem neuern Schriftsteller gelesen habe.

-) Ern gutes Rüthsel kann dienen, unfern Verstand, undbesonders unfern Witz ünd unsre Scharfsinnigkeit zu üben. Da in einem Rüthsel eine bekannte Sache beschrieben ( denn die Sache, die man uns in einem Rüthsel vor tragt, darf uns nicht unbekannt seyn) und mit fle. dunkel be­schrieben wird, damit ein andrer die ErkkÜMS derselben sagen fon; muß der Witz die darin liegende Aehnlichkeiten entdecken, und die Merk­male Nicht allein unter sich selbst, sondern auch mit aridem Dingen verglej. chen. Die Scharfsinnigkeit aber ist nöthig, um das Verborgene zu entde­cken, das Verwirrte zu entwickeln, dasjenige zu unterscheiden, was insge­mein nicht unterschieden wird, und die Zweydeutigkeiten zu bemerken und zu 'bestimmen. Eine öftere Hebung in diesen Untersuchungen kann unfern Witz und unsre Scharfsinnigkeit ungemein verbessern. Mein Schriftsteller, dem ich hierin folge, merkt noch an, daß die Rüthsel in dieser Absicht auch bey dem Unterrichte der Jugend mit Nutzen zu gebrauchen seyen, und daß

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