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Man sieht hieraus, wie notwendig es ist, sich kennen zu lernen und richtig und vernünftig von sich selbst zu urtheilen, wenn man ein guter und erträglicher Gesellschafter seyn will. Demjenigen, dessen Hitze aus dem Hochmuth entsteht, wollte ich den Rath geben, daß er sich mehrbemühe- te, seine Schwachheiten, seine Mängel und Unvollkommenheiten kennen zu lernen, als sich mit der Untersuchung feiner Vorzüge und Vollkommenheiten allzu viel zu beschäftigen. Ich bin ihm gut dafür, daß er alsdann bald wird einsehen lernen, wie wenig Ursache er hat, hochmüthig zu seyn, und sich für vollkommner, als andre zu halten. Und wenn überdies der Hoch- müthige, der doch so sehr auf Ruhm und Ehre siebt, wüßte, wie wenig Ehre cs ihm machte, daß er sich jo sehr von seinen Affecten, wodurch der Mensch so oft zu den niederträchtigsten Handlungen verleitet wird, Hinrei­sen läßt, wenn er wüßte, daß er sich einen weit vollkommnern Rubmdurch die Herrschaft über seine Neigungen erwerben könnte und daß ein Mensch, der sich selbst überwindet, nach dem Zeugnis vieler Moralisten, eines weit grüseren Ruhms würdig sey , als der glücklichste Weltbezwinger; wenn er den hohen Werth eines sanftmüthigen Herzens vor GOtt und Menschen kennte und den Befehl der allgemeinen Menschenliebe bey jeder Gelegenheit auszuüben suchte; so würde er gewis der Thor nicht mehr bleiben, der über die geringste Beleidigung seines Nächsten gleich in Feuer urld Flammen geräth. Derjenige aber, dessen Hitze aus der Einbildung entspringt, daß er durch gewisse Reden oder Handlungen verachtet werde, wird sich von seiner Hi­tze befreien können, wenn er alle Menschen nach der, ihnen schuldigen, Lie­be beurtheilt, wenn er sich nicht gleich für beschimpft und verachtet hält, sondern alle Reden und Handlungen auf der allerbesten Seite betrachtet und beständig geneigt ist zu glauben, dasjenige, worüber er sonst hitzig ge­worden ist, sey anitzt aus Unachtsamkeit, aus Uebereilung oder Nach­lässigkeit geschehen, plutmxb sagt, man muß mcbt immer eine Ver­achtung von andern befurchten/ sondern dem Diogenes nachahmen. Diese Leute, sagte man zu ihm, lachen dich aus. Hein/ antworte­te er gleichgültig, ich werde nicht ausgelache.

Es giebt viele hitzige Leute, welche wissen, daß sie hitzig sind und leicht können aufgebracht werden. Allein diese Leute geben sich keine Mü­he, diesen Fehler zu verbessern. Sie glauben nicht, daß der Zorn, wie Richardson sagt, den artigsten Mann unartig macht, und haben noch nicht acht gegeben, wie häßlich und abscheulich ein Mensch im Gesichte

-vo 2* aus-