*78 Gr'esisthe wöchentlich- gemeinnützige Anzeigen
ist, sich blos mit einerley Gegenständen zu unterhalten, und nicht Verstand genug hat, darinnen abzuwechseln, so muß man nothwendlg bald müde und verdrieslich werden. Aus dieser Ursache ist die Hebung des Verstandes in allerlei) nützlichen Wissenschaften ungemein zu empfehlen. Besitzen wir einen gewisse» Reichthum an Wahrheiten und Kenntnissen/ so kann es uns nicht schwer fallen / die Zeit durch ihre Hülfe nützlich zuzubringen. Die Erkenntnis einer Wahrheit ist einem Weisen meistens schon Vergnügen und Lohn genug für die Mühe/ die er darauf gewendet hat; denn auf andre Belohnungen darf er ohnehin nicht bald hoffen. Je weiter er es darinnen gebracht hat/ je weniger wird ihn die Langeweile plagen/ und er ist/ nach dem Ausdruck eines Alten / da am wenigsten allein und einsam , wo er es am meisten zu seyn scheinet, und fähig sich selbst ohne alle Gesellschaft zu unterhalten.
Daß so viele Leute schlechte Gesellsehaffter sind, und man m den grö- sten Versammlungen so oft über die Langeweile klagen hört/ rührt ebenfals daher, daß die meisten Menschen nur einerlei) Art des Verstandes besitzen. Weil nun ein jeder seine eigne und sehr eingeschränckte Sphäre hat/ so wird einer dem andern zur Last. Einjeder klagt/ daß man mit den meisten nichts reden könne-, ohne zu bedenken, daß fast ein jeder daran selbst Schuld ist. Wenn man höchstens nur eine Sache gelernt hat, oder gewisse Lieblings Materien hat/ davon man gern redet/ so kann es nicht schien/ daß der andre, der die nemliche Kenntnisse und den nemlichen Geschmack nicht hat, über unferm Gespräch verdrieslich werden muß. Und da er auch nur ein gewisses Fach hat, davon er allenfalls gern redet, so kommt die Reihe an uns schläfrig zu werde»/ wenn er anfängt. Das Wetter, die Zeitung und übte Nachreden auf abwesende Personen sind fast die einzige allgemeine Gegenstände des Gesprächs. Kommt man ein wenig weiter, so mögte der gröste Theil gähnen, weil er keinen Geschmack an unfern Reden findet. Ein Mensch der sich in vielerlei) Wissenschaften umgefehen hat, und eine ziemliche Belesenheit nebst einiger Erfahrung hat, wird in einer Gesellschaft weder stumm werden noch andern zur Last fallen dürfen. Er wird mit einem jeden reden können, und seine Klugheit wird ihm anrathen, ihn mit solchen Materien zu unterhalten, von denen er weiß, daß sie nach seinem Geschmack sind. Dorcmtens liebstes Gespräch ist von seinen Vorfahren und feiner Familie zu pralen, und ob er gleich nicht von Adel ist, so hat er doch die herrschende Thorheit dessMgen. Keinem Menschen ist in der Gesellschaft damit gedient: Jedermann ärgert sich üher den Grossprecher, und haßt


