rmd Nachrichrerr. W
haßt ihn. Selinde spricht von nichts als grosen Herrn und Prinzen. Sie hat die ganze Genealogie im Kopf, und weis alle Kleinigkeiten dieser und jener hohen Häußer auf dem Nagel her zu erzehlen. Die ganze Gejell- schast wird mismüthig, so bald sie nnfdngt. Eipin hat nur zwey Materien davon er zu erzehlen weiß. Die eine ist die Kcwserkrönung der er beygr- wohnt hat, die andre die BrunnenCur. Er beschreibt unsatte Kleinigkeiten und vergißt so gar der Livreen der Lakayen nicht, wenn er von jener anfängt. Geräth er auf die BrunnenCur, die er etlichemal an der Quelle getruncken hat, so darf man sich nur auf ein ungeheures Register von Leuten, die er daselbst hat kennen lernen, gefaßt machen. Kein Mensch in der Gesellschaft nimmt Ankheil daran, weil lie lauter unbekannte Perjo- nen sind. Die grose Kunst in einer Gesellschaft angenehm zu erscheinen bestehet darinnen, daß man von Sachen redet, davon entweder dre ganze Gesellschaft einige Wissenschaft hat, und folglich leichter als bcy unbekannten Sachen Antheil nimmt, oder die doch wenigstens die Personen intc- reßiren, womit man insbesondre spricht. Vlose HandwercksGelehrte wissen außer ihrer HauptSache nichts, und weil sie eben davon allein und immer reden, werdm sie überlästig. Der Prediger der von nichts als Texten und Vorstellungen, der Rechtsgelehrte der von nichts als Advocatett Streichen, Chicanen und Fällen, und der Artzt der nur von Kranckenge- schichten zu reden weiß, müssen ohnfehlbar andere, die sich hierum wenig bekümmern, langeweile machen, wenn ihre Reden auch noch so vernünftig in ihrer Art waren. So wie es eine gewisse ArtNarren gicbt, die nur ui einem gewissen Capitel oder Punct närrisch sind, in allen übrigen Stücken aber vernünftig scheinen, so giebt es im Gegentheil auch Leute, welche nur in einem gewissen Capitel vernünftig sind, und ordentlich reden, in andern Materien aber entweder gar nichts zu sagen wissen, oder solche abgeschmackte Sachen vorbringen , daß man sie nothwendig für Thoren halten muß. Man muß in mehr als einem Capitel vernünftig und gescheut seyn, und von allrrley Materien reden können, aber doch vorzüglich solche wählen, die nach dem gemeinsten Geschmack sind, wenn man gefallen will. Hat.man seinen Verstand insonderheit durch das Lesen brauchbarer Bücher erweitert, so wird man nicht fürchten dürfen sprachlos zu bleiben: sondern man wird tausend Gelegenheiten haben artige und witzige Sachen zu sagen, die zwar vielleicht schon oft von andern gesagt worden sind, aber der Gesellschaft in der man sich befindet, noch neu sind, und ihr eben aus dieser Ursache gefallen. Die Armseligkeit des Geistes , wie sie ein gewisser Schriftsteller nennt, ist
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