Ausgabe 
8.7.1766
 
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tirrö Nachrichten. an

Geheimniß herauSborstet. Aus Mitleiden zu ihm, haben sich zwar viele Leute angewöhnet, ihm nichts mehr im Vertrauen zu sagen, allein seine Plage ist deswegen nicht geringer worden, dann nun muß der arme Herr Trampe! stets umher laufen, und zu seiner eigenen Qual Reuig- keiten sammlen. Anlegen darf man ihn nicht, dann da'wird er wie rasend, und bricht die stärkste Festes entzwey. Mit eben dicht Seuche-, ist auch die Maoame, Klapper und alle ihre Töchter behaftet.

Noch eine Patientin, meine Herrn! ist da. Es ist die hochge­ehrteste Frau Miserabel. Dieser aber wird schwerlich zu helfen seyn, doch man versucht alles. Sie ist immer krank, besonders wann sie etwas thun soll, so gar wann sie vermuthet, daß ihr Geschafften aufgetragen werden sollen, und damit man sie gar verschonen möge, so ist ihr im- mer miserabel, so oft jemand mit ihr redet. Nur wann sie schlafet, und allein ist, auch zu gewlssen andern Stunden scheint sie munter und ge- sund zu seyn. Auch hat sie in ihrer Einsamkeit einen ziemlichen Appetit, kommen aber Leute dazu, so wirft sie den Löffel schmachtend hinweg. Sie klaget miserabel im Kopf, miserabel im Hals, miserabel auf dec Brust, miserabel im Leib, miserabel in der hohlen Seite, und wer weiß, wo noch mehr, dann sie ist bis in die kleine Zehe miserabel, und weiß oft selbst nicht alles zu nennen, wo ihr miserabel ist. Weil sie in ihrem lf Leben allzuviel gesessen, das ist, gar nichts gethan hat, so rühmet sis sich mit dem malo hip, wovon sie reden gehöret hat. Allein oft ist ihr doch allzu miserabel (den Ausdruck braucht sie) daß sie auch das hip vergiffet. -Ob dieser Patientin vielleicht auch die Einbildungskrafft in den Leib gefallen, und von da in alle schmerzhafte Theile, als ein ge- lf jährlicher Schlagfluß sich ausdehnet, das' läßt man am sichersten den Herr Doctor beurtheilen. Ich will mich darauf nicht einlaffen, und al- so nichts mehr sagen, als daß ich mit ungemeiner Hochachtung und auf- richtigen Freundschafft beharre

Dero

gehorsamster Diener

N. N. .

N. S. Solte die Cur glücklich gehen, so würden sich vielleicht auch einige Herrn melden, welche in dem nemlichen Spital seufzen.

Ddr. Wir