6 Gftsssche wZchmtkr'ch^ gLmeinnuylge Anzeigen mi? verlohren gehen, wird unser vornehmstes Geschäfte und zugleich der würdigste Gegenstand unsrer Betrachtungen seyn. Wir werden die vielen Vormtheile in derselben, den Aberglauben mib andre schädliche Meynun- gen zu bekämpfen und auszurotten suchen ? welche vielleicht die alierstärksten Hindernisse und die wichtigsten Ursachen sind, daß die göttlichen Lehren un- ft er heiligsten Religion in unfern Gegenden so geringe geachtet werden und Tugend und Rechtschaffenheit so selten unter uns sind. Hiernächst werden wir es uns angelegen seyn lassen, die Sitten unserer Mitbürger sanfter zu machen und vernünftige Vorschläge zu Verbesserung derselben anzugeben. Da wir nunmehro wißen, daß auch Frauenzimmer unsre Blätter zu lesen würdigen, so werden wir uns nicht selten mit rhnen von Sachen unterhalten, die ihrer ganzen Aufmerksamkeit würdig seyn und einen sehr grosen Einstuß in ihre Glückseligkeit haben werden.
Man hat uns ersucht, die gegenwärtige Schrift in eine ganz moralische Wochenschrift zü verwandeln und alle andre theils in die Jurisprudenz, theils in die Deconomie und in die übrigen Theile der Gelehrsam- keit cinschlagende Ausarbeitungen und alle Nachrichten von durchreisenden, von Getauften, Copulirten und Verstorbenen, von dem Preiße der Lebensmittel und dergleichen aus derselben zu verbannen. Es ist wahr, eine solche Schrift wäre in unfern Gegenden, sehr nützlich und noch- wendig. Allein wir müssen gestehen, daß wir gegenwärtig zu einer solchen Arbeit noch zu wenig Muße haben. Und es wäre noch die Frage, ob man in Giessen, wo die Begierde, moralische Bücher zur Bildung des Herzens zu lesen, vielleicht erst zu den Zeiten unsrer Ur-Ur- Enkel wird Mode seyn, ob man, sage ich, in Giessen einen Verleger zu einer solchen Schrift würde finden können. Der Verleger würde immer viel wagen, und wenn er auch Steeles und Addifonsju Autoren hätte. Wir lassen also unser Wochenblatt dieses Jahr noch immer bcy eben der Einrichtung, wie es bisher gewesen ist, nur daß die Wahl der moralischen Wahrheiten, die wir abhandeln werden, sich etwas mehr auf das Herz, auf die Sitten und die Religion unsrer Leser erstrecken wird. Daß wir die Deconomie und die übrigen Anzeigen und Nachrichten bcybehalten haben geschieht deswegen, weil wir gemeinnützig seyn wollen. Dem einen gefällt dieses, dem andern jenes. Wem die Verbindung der moralischen mit den öconomischen Abhandlungen ungereimt vorkommt, der bedenkt Nicht, daß die guten Grundsätze der Oeconomie in unfern Gegenden eben so sehr ver- : i; dienen


