rrnd Nachnchtett.
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hält sich nie mit chnen von der wahren Gröse des Menschen und sOt ihnen nicht, daß eine weitläuftige Gelehrsamkeit unv alle Wiffenzchaften der Welt Pen Menschen nicht glücklich machen können, wenn man sie mcht überall zum Wohl des ganzen menschlichen Geschlechts und zur Verherrlichung Gottes anwendet. Doch vielleicht lernt man es bald auf unfern Schulen einsehen, daß die größten Genies das größte Uebd in der Welt anrich« ken, wenn sie nicht von einem guten Herzen regiert werden, und daß ein Mensch von mittelmasi'gem Verstände, der aber dabey ein gutes Herz hat, in einem Tage der Welt nützlicher ist, als jener in seinem ganzen Leben.
Dies hab ich nur im Vorbeigehen anmcrkcn wollen. Nunmehro will ich eö der eignen Bcurtheilung meiner Leser überlasten, ob ich unrecht habe, wenn ich behaupte, daß die meisten Ausschweifungen unter uns daher entstehen, daß man uns von Jugend auf keinen richtigen Begriff von der Ehre bcygebracht, und eben dadurch versäumt hat, unser Herz zu verbessern und rechtschaffen zu machen. Woher kommen die vielen Ueppigkeiten, die mannigfaltigen Niederträchtigkeiten, woher kommen die Duelle, woher kommt das nächtliche Lermen auf den Strafen, das viehische Volllaufen, dessen man sich oft so sehr rühmt, und andre dergleichen wilde Handlungen und unordentliche Aufführungen, woher kommen sie anders, als aus einem falschen Begriffvon der Ehre? Man bildet sich manchmal ein, den höchsten Gipfel der menschlichen Würde erstiegen zu haben, wenn man es recht weit in diesen Ausschweifungen gebracht hat. Ich habe Leute gesehen, die es sich für eine ganz besondere Ehre anrechneten, die allerniedertracktigsten und pöbelhaftesten Handlungen begangen zu haben, und vielleicht ist keiner unter meinen Lesern, vernicht viele Leute kennen sollte, die sicdö rühmen, berauscht gewesen zu seyn, ihres gleichen im fluchen und Zotenmsen mcht befunden, einen andern betrogen, beschimpft, verwundet und dergleichen thö- richte und einem vernünftigen Menschen höchst unanständige Handlungen mehr verrichtet zu haben. Welch einen abscheulichen Begriff von der Ehre muffen diese Leute haben! Würden sie wohl in diesen thörichten Ausschweifungen einen Vorzug suchen, wenn sie von Jugend auf die Ehre recht hatten kennen gelernt, und wenn ihre Begierde, m die Augen zu fallen und sich hervor zu thun, auf gute und liebenswürdige Gegenstände wäre
ES giebt wenig, und vielleicht gar keine, Gemüther, die von Natur so wild und grausam waren, daß sie durch eine gute und sorgfältige Erziehung nicht, sollttn gezähmt und gebessert werden können. Ich glaube


