Ausgabe 
3.6.1766
 
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i?o Giesifche w-chenUrch gemeinnützige Anzeigen

und daß so gar die so genannten mdralischmEsel trotz ihrer faulen Ruhe, in der sie nicht wollen gestöhrt seyn und trotz ihrer Gleichgültigkeit gegen alle Vermehrung ihrer Titel nicht ganz von der Begierde, gelobt zu werden, können frey gesprochen werden.

Diele durchgängig herrschende Ehrbegierde hat aber dieses mit allen andern Neigungen gemein, daß sie oft zu unedlen und schädlichen Absich­ten angewendet wird. Wir dürfen uns deswegen auch nicht wundern, daß wir diesem natürlichen Triebe manchmal eben so gross als niederträchtige, eben so vortrefliche als närrische Handlungen zu verdanken haben. Er bringt allerley Wirkungen hervor, nachdem das Herz, das er beherscht, entweder edel oder unedel denkt, und nachdem er durch die Zusätze der Erziehung, der Wissenschaften und des Umgangs ist verbessert und ausgearbeitet wor­den. Wenn er bey einem schwachen Verstände wohnet, so zergt er sich in eigennütziger Verschlagenheit und wenn er einem starken Verstände zu Theil geworden ist, so wirkt er grosmüthige und edle Thaten. Er macht uns liebenswürdig, trenn er zur Verschönerung unsers Herzens angcwendetwird und erweckt uns Abcheu und Verachtung, wenn er uns zu unedlen Hand­lungen antreibt. Die Absichten der Ehrbegierde gehen also Nicht auf einer- ley Gegenstände, der eine sucht in dieser, der andre in jener Handlung seine Ehre. Es wäre nur zu wünschen, daß sie immer auf gute Gegenstände gelenkt würde, damit sie zu dem Glücke und zu der Vollkommenheit eines Menschen eben so viel beytrüge, als sie insgemein zu seiner Bosheit, zu seinem Gram und Unglück beyträgt.

Es ist nicht zu leugnen, daß diese angebohme Liebe zum Vorzug durch eine gute und vernünftige Erziehung einen sehr vortheilhaften Schwung erhalten könne, wenn man sich nämlich angelegen seyn liefe, der noch un­verführten und folgsamen Jugend zeitig eine richtige Kenntnis und reine Begriffe von der wahren Ehre beyzubringen. Hierauf kommt erstaunlich viel an, und es ist ein unverzeihlicher Fehler bey der Kinderzucht, wenndre- fts versäumt wird. Inzwischen wird doch dieser Fehlet leider l allzu ost be­gangen. Marr bekümmert sich bey der Kinderzucht zu wenig um das Herr und glaubt gnuq qethan zu haben, wenn man das Gedächtnis der Kinder mit einigen Wahrheiten anfüllt, ihren Verstand ein wenig arssklart, und ihnen allenfals einige Sitten und Höflichkeiten vorpredigt. Man sagt ihnen 1 E., daß sie jedermmn grüsen, daß sie in ihrer Kleidung reinlich, daß sie im Lernen fleisig seyn sollten u. s. w allein man lebrt sie niemals, groS- müthig seyn, edle und rechtschafne Handlungen auözuüben. Man unter.

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