Ausgabe 
29.10.1765
 
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Wtestsche wöchentlich- gemcinnüßge KMgcn Mchrtchten.

Vier und Vierzigstes Stück.

Dienstags den r-een Octobr. 1765»

Mlt Hochfürstl. Hessen - Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

Confcius ipfe fibi de Je putat omnia dici.

unsre Leser glauben, daß wir ihreUrtheile über dieses Wochen- blatt nicht erführen; so irren sie sich ungemein. Nein, wir er* fahren alles, wir erfahren ihren Tadel, wie ihr Lob. W-r ha­ben Kundschafter, deren Nasen besser riechen § als ohne Vergleichung, die Nasen der Spürhunde. Diese benachrichtigen uns manchmal von Urthei- len, die wir nimmermehr glauben würden, wenn wir uns nrcht sicher auf ihr Zeugnis verlassen könnten. Ja wir schleichen sehr oft selbst in die größten Versammlungen und besonders pflegen wir uns unter solche Leute zu mischen, welche Nichtwissen, daß wir die Verfasser dieses Wochenblatts sind. Und dann sind wir so boshaft und fangen selbst an, über dasselbe zu urtheilen, um unsre Gesellschafter desto dreister und sicherer zu machen, uns ihre Meinung davon ganz offenherzig zu sagen.

Man kann sich leicht vorstellen, daß wir manchmal vieles verbeissen müssen; denn die Urtheile fallen nicht selten gar erbärmlich aus. Demohn- erachtet aber finden wir doch ein sehr groses Vergnügen darin , wir lernen uns immer besser kennen, wir lernen uns selbst verleugnen und die Eigen­liebe dämpfen, die so sehr geschäftig ist, unsre Fehler zu rechtfertigen, wenn sie uns andre zeigen, oder sie tu verbergen, wenn sie andern unentdeckt

X x hleiben.